São Miguel – eine Mischung aus regenwaldähnlichen Lorbeerwäldern, saftig grünen Teeplantagen, tiefblauen Seen und dem tosenden Atlantik, der auf schwarze Vulkanstrände trifft. Die Größte der neun Azoreninseln liegt über 1300 Kilometer vor der Küste Portugals, mehr oder weniger mitten im Atlantik. Für ein verlängertes Wochenende war ich auf der Vulkaninsel unterwegs und habe euch ein paar Tipps mitgebracht.


Chá Gorreana Tee-Plantage

Die Chá Gorreana ist eine Tee-Plantage mit Teefabrik im Norden der Insel. In der Teefabrik kann der hauseigene Chá (portugiesisch für Tee) in Form von Schwarz- und Grüntee gratis gekostet werden – soviel man eben trinken kann oder will. Neben dem Erkunden der Räumlichkeiten, in denen einiges zum Produktionsablauf gezeigt wird, könnt ihr eure Tasse Tee mit auf die Terrasse nehmen und dort eine herrliche Aussicht über die saftig grünen Teefelder genießen. Besonders toll sieht der Ausblick natürlich bei Sonnenuntergang aus, und ihr könnt euch danach noch einen Tee im Shop kaufen.


Farol do Arnel

Wenn ihr so wie ich auf Leuchttürme steht, gibt es für euch einen wild-romantischen Aussichtspunkt inklusive Bilderbuch-Leuchtturm an der Ostküste, in der Nähe von Nordeste. Da wir leider Angst haben mussten, dass unser ohnehin nicht sehr zugstarkes Auto der Steigung von 35% nicht standhält, sind wir den Weg zum Leuchtturm zu Fuß angetreten. Hinunter ist das ja alles ganz ok, beim Hinaufgehen kommt man dann doch ein bisschen ins Schwitzen. Dennoch ist der Farol do Arnel und das dazugehörige kleine Fischerdörfchen den anschließenden Aufstieg echt wert, denn euch bietet sich eine sehr süße, pittoreske Szenerie.


Hotel Monte Palace – Das Geisterhotel

Eines meines Highlights in São Miguel war die zufällige Entdeckung des Hotel Monte Palace. Eigentlich wollten wir auf dem Aussichtspunkt Vista do Rei nur den wolkenlosen Ausblick über die Kraterseen Sete Cidades genießen, da stand es plötzlich hinter uns: Das Geisterhotel. Ein riesiger Betonblock mitten am Berg, mit dem besten Ausblick, den man auf der Insel wohl bekommen kann, und dennoch verlassen und von Wind und Wetter mitgenommen. Das 5***** Hotel wurde 1989 eröffnet und ging anscheinend kurz darauf aufgrund der schlechten Lage (absolut nicht zentral) und dem ständigen Nebel, der sich um das Hotel legte, bankrott. Nach nun mehr als 25 Jahren können Abenteuerlustige, Fotografen, Neugierige und alle anderen das Hotel auf eigene Faust erkunden. Absolut sehenswert ist die riesige Sonnen-Dachterrasse, von der aus man einen 360° Blick über die Insel hat und natürlich besonders schön ist der Ausblick auf Sete Cidades.


Aussichtspunkt über Lagoa do Fogo

Durch das ständig wechselnde Wetter und das Mikroklima auf den Azoreninseln, ist eine gute Aussicht aufgrund des Nebels nicht immer garantiert. Wir hatten aber Glück und konnten einen super Ausblick über den Lagoa do Fogo (portugiesisch für Feuersee), einem weiteren Kratersee der Insel, genießen. Es führt ein kleiner Trampelpfad über die grünen Hügel über dem See entlang, der mich ein bisschen an die Landschaft von Herr der Ringe erinnert hat. Der Nebel, der doch noch in den Hügeln festhängt, verleiht der Stimmung dort einen leicht mystischen Touch.


Caldeira Velha – Relaxen in den heißen Quellen

Folgt man der Straße von Lagos Richtung Liberia Grande liegt auf halbem Weg nicht nur der Aussichtspunkt für den Lagoa do Fogo sondern kurz danach auch die heißen Quellen Caldeira Velho. Nach einem ereignisreichen und bewegungsintensiven Tag gibt es eigentlich nichts Besseres als in den natürlichen heißen Thermalquellen mitten im Lorbeerwald zu entspannen. Für einen Eintritt von 2€ stehen einem zwei Becken mit verschiedenen Temperaturen zur Verfügung. Eines ist eher lauwarm inklusive Wasserfall, das andere is zirka 40°C heiß und echt angenehm. Alles ist grün, total gemütlich und es kommt absolutes Dschungel-Feeling auf.


Rundwanderwege

São Miguel ist das perfekte Reiseziel für einen Aktivurlaub. Es gibt viele Wanderrouten mit unterschiedlichen Längen und Szenerien. Die zwei Wanderwege, die wir ausprobiert haben waren komplett unterschiedlich und beide auf ihre Weise charmant.

Faial da Terra – Wanderung zum Wasserfall

Der 4,5 km lange Wanderweg startet in Faial da Terra, dauert ungefähr 2 Stunden und ein Trampelpfad führt euch zum Wasserfall. Auf dem Weg zurück kommt ihr durch Sanguinho, einem alten, heute teilweise wieder aufgebauten Dorf mit typisch azorischen Häusern.

Rota da Agua – Wanderung in die Vergangenheit

Die Wanderung beginnt in der Näher von Lagoa, bei dem Rastplatz in Remedios, und dauert zirka 2,5 Stunden. Die Rota da Agua führt zunächst an Kuhweiden vorbei und dann durch diverse Tunnel und alte Aquädukte in eine wie es scheint vergessene Welt. Die Brücken und Wasserleitungen sind mit Moos bewachsen und teilweise verfallen, alles wirkt sehr märchenhaft und lädt zum Erkunden ein. Achtung jedoch bei den stockdunklen Tunneln – Taschenlampe einschalten und Kopfeinziehen!


Praia de Santa Barbara

Ihr wollt kurz vor dem Heimflug noch am Strand vorbei? Kein Problem, der Praia de Santa Barbara ist 20 Minuten vom Flughafen entfernt und ich mag ihn nicht nur, weil er meinen Namen trägt. Ich habe einfach eine Schwäche für schwarze Strände, und dieser ist besonders toll. Es gibt einen langen Holzsteg auf dem man gemütlich in der Sonne liegen und die Wellen beobachten kann, oder auch selbst ins Wasser gehen kann zum Schwimmen, Kajaken oder Surfen. Alles ist möglich hier, und es ist auf jeden Fall der perfekte Ort für einen schönen Urlaubsausklang.


São Miguel hat bei mir in erster Linie einen sehr farbintensiven Eindruck hinterlassen und
es war definitiv die Reise wert.

Wenn ihr länger Zeit habt, besteht auch die Möglichkeit des Inselshoppings mittels Fähre oder Flugzeug. Bei vier bis fünf Tagen jedoch rate ich euch die Zeit auf der Insel auszunutzen. Ach ja, es gibt ein sehr gemütliches und gutes Restaurant in Ponte Delgada „A Tasca“, das vor allem für Fischliebhaber interessant ist.