Durch meine Reisen in andere Länder und fremde Städte fällt mir in letzter Zeit immer mehr auf, dass ich eigentlich das Erkunden meiner unmittelbaren Umgebung viel zu sehr vernachlässigt habe. Ich komme aus Payerbach, einem kleinen Ort am Fuße der Rax, eine knappe Stunde südöstlich von Wien. Die Rax ist an ihrem höchsten Punkt, der Heukuppe, 2007 m hoch, wird auch als „Wiener Hausberg“ gehandhabt und liegt genau an der steirisch-niederösterreichischen Grenze.

Als ich letztens wieder einmal aus dem Fenster hinauf auf die Rax schaute, beschlich mich irgendwie ein klein wenig schlechtes Gewissen, dass ich schon ewig nicht mehr oben war und ich das schleunigst nachholen sollte. Um gleich mehr von meinem Ausflug zu haben, beschloss ich eine Nacht auf einer Hütte zu schlafen, und so gleich zwei Tage am Berg verbringen zu können.

Es gibt eine Seilbahn hinauf, die je nach Andrang mehrmals stündlich fährt. Da ich aber auch was für meine Kondition tun wollte entschied ich mich gegen die Seilbahn und startete meine Wanderung auf der anderen Seite des Berges, am Preiner Gscheid. Zum Preiner Gscheid gelangt ihr am Besten mit dem Auto, es gibt aber auch Busse die hinauffahren. Von dort aus geht man ein erstes etwas steileres Stück zur Siebenbrunnenwiese, an den weidenden Kühen vorbei weiter über den Schlangenweg. Der Schlangenweg führt euch direkt zum Karl Ludwig Haus, meinem Übernachtungsplatz. Dort könnt ihr euch erst einmal stärken.

Das Karl Ludwig Haus – kurz KaLuHa – hebt sich von den üblichen rustikalen Berghütten um einiges ab. Auf der Hütte wird der Begriff BIO im wahrsten Sinne des Wortes groß geschrieben. Statt der typischen, oft sehr fleischlastigen Hüttenjause, gibt es am KaLuHa unter anderem vegetarisches Chili, Karotten-Ingwer Suppe und verschiedene Risottos. Auch selbstgemacht Himbeerkracherl und wahnsinnig guten Zirbenschnaps könnt ihr dort verkosten. Es ist schön zu sehen, dass vegetarische und sogar auch vegane Küche es auf die Speisekarte einer Hütte geschafft hat, die alle Lebensmittel mittels Materialseilbahn auf den Berg schafft (die Angestellten gehen die 1,5 Stunden zu Fuß rauf). Da das Wetter am Tag des Aufstiegs sehr windig und eher ungemütlich war, verzichteten wir auf den weiteren Aufstieg zum Gipfel und machten es uns im KaLuHa bequem. Das Haus ist wirklich sehr gemütlich eingerichtet und das Personal lud uns zu einem lustigen Spieleabend ein.

Ein großer Grund für die Übernachtung auf der Rax war eigentlich, dass ich unbedingt den Sonnenaufgang von hier oben sehen wollte. Dafür hatte ich mir nach einer eher kurzen Nacht (der Spieleabend ging etwas länger..) schon um 4.30 Morgens den Wecker gestellt. Doch der Anblick war eher ernüchternd – nur Nebel und nichts zu sehen. Dafür war aber das Frühstück, welches im Übernachtungspreis enthalten ist umso besser. Es gab Eierspeis, knackiges Bauernbrot und sogar frisch aufgeschnittene Ananas und Melone.

Als wir das KaLuHa verließen, hatten sich die Wolkendecke und der Nebel endlich verabschiedet und es strahlte die Sonne. Unser weiterer Weg führte uns über das gesamte Raxplateau – den Predigtstuhl auf 1902 m, zum Trinksteinsattel, vorbei an der Seehütte und zum Gipfelkreuz der Preinerwand. Nach einer kurzen Fotosession ging es weiter zur Hohen Kanzel und zum Otto-Schutzhaus.

Beim Otto-Schutzhaus kehrten wir zum Mittagessen ein. Hier wird die Nähe zur Seilbahn schon sehr bemerkbar, da viel mehr Leute herumspazieren als auf der anderen Seite des Raxplateaus. Von der  Bergstation der Seilbahn geht ihr nämlich nur knappe 25 Minuten, und vor allem ältere Herrschaften und Familien mit jungen Kindern beschränken ihren Raxbesuch auf den Weg von der Bergstation zum Otto-Schutzhaus.

Was ihr auf keinen Fall auslassen dürft, wenn ihr in der Gegend des Otto-Schutzhauses seid, ist der Abstecher zur Höllentalaussicht. Von der Weggabelung „Praterstern“ geht ihr nur 10 Minuten und habt wirklich einen grandiosen Ausblick über das Große Höllental. Irgendwie hat mich der Aussichtspunkt ein ganz klein wenig an den Grand Canyon erinnert, ein Mini Grand Canyon auf der Rax so quasi.

Wenn ihr von der Höllentalaussicht zurückgeht gibt es mehrere Möglichkeiten wieder ins Tal zu gelangen. Entweder ihr geht den Törlweg hinunter und landet beim Knappenhof, ihr nehmt die Seilbahn ins Tal oder ihr geht die Brandschneide nach Kaiserbrunn. Zu der Zeit als ich auf der Rax unterwegs war, war der Törlweg leider wegen Holzschlägerungsarbeiten gesperrt, mit der Seilbahn hinunter zu fahren schien uns zu einfach, und so gingen wir die Brandschneide hinunter. Der Weg über die Brandschneide führt Anfangs über die Schipiste hinunter, wo sich auch immer wieder Gämsen blicken lassen. Seid aber gewarnt, die Brandschneide ist zwar ein Weg mit echt tollen Aussichten, sorgt aber durch den schmalen und teilweise steilen Weg bergab für zittrige Knie. Wer also schon eher müde ist vom ganzen Tag, sollte sich einen gemütlicheren Weg suchen denn hier ist Trittsicherheit das A und O.

Mir hat mein Ausflug auf meinen Hausberg einige neue Erfahrungen beschert, nicht zuletzt, weil ich mich im Karl Ludwig Haus so wohl gefühlt habe, dass ich spontan am Wochenende danach einmal als Servicekraft Probearbeiten war. Es hat wirklich viel Spaß gemacht, jeder der schon einmal gekellnert hat weiß aber auch, dass das auch ziemlich anstrengend sein kann – vor allem nach einem schweißtreibenden Aufstieg zum Arbeitsplatz. Für mich blieb dieses Probearbeiten daher nur eine interessante Erfahrung, die ich froh bin erlebt zu haben, aber für einen regelmäßigen Job ist mir dann das Tal doch etwas lieber. Als Hobby-Bergsteiger bin ich aber bestimmt bald wieder oben und werde noch weitere Berge in meiner Umgebung für euch erkunden.