Wenn man nicht zum ersten Mal nach Berlin kommt, kann man wahrscheinlich die ganzen typischen Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, das Jüdische Denkmal und den Fernsehturm am Alexanderplatz schon von seiner To-Do-Liste streichen. Doch Berlin ist ja glücklicherweise so viel mehr als das! Ich war für ein verlängertes Wochenende in der deutschen Hauptstadt zu Besuch und habe ein paar Tipps, wie ihr hier einige abwechslungsreiche Tage verbringen könnt, ganz stressfrei und ohne großen Touristenansammlungen zu begegnen.


Auf Erkundungstour in den Hackeschen Höfen

In den Hackeschen Höfen gibt es einiges zu sehen. Vor allem die Streetart hier hat es mir sehr angetan. Um das Anne Frank Zentrum gibt es kaum einen leeren Fleck an den Wänden und zahlreiche Künstler haben sich hier verewigt. Neben kleinen Designershops und Ausstellungen gibt es auch für den Gaumen viele Schmankerl zu entdecken –  zum Beispiel leckeres Eis im „Waffel oder Becher“.


Klunkerkranich – Gemütlicher Tagesausklang über den Dächern Berlins

Auf dem Dach der Neukölln Arkaden wurde eine kleine Oase namens Klunkerkranich geschaffen. Hier kann man es sich unter Fähnchen behangenen Laternen auf Palettenmöbeln oder Treppen gemütlich machen, seine Füße in die Sandkiste stecken und an einem kühlen Getränk schlürfen. Vom Dach hat man eine super Aussicht über ganz Berlin (auf jeden Fall die günstigere Variante zum Fernsehturm!) und wenn man Glück mit dem Wetter hat kann man auch einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. DJs versorgen die Besucher mit den passenden musikalischen Vibes, manchmal gibt es sogar Live-Musik. Der Klunkerkranich hat auch einen hauseigenen „Klunkergarten“ und gegen kleine Spenden kann man sich sein eigenes Pflänzchen für zu Hause mitnehmen.


Bummeln im und am Bikini Berlin

Das Bikini Berlin ist eine stylische Concept Mall gegenüber der Gedächtniskirche. Im Inneren der Mall gibt es unzählige kleine Designerläden, manche auch in Container-ähnlichen Holzboxen. Hier macht es einfach Spaß durch die Läden zu ziehen und die neuesten, manchmal auch etwas schrägen, Designtrends anzuprobieren. Über die begrünte Dachterrasse mit interessanten, geometrischen Fensterformen gelangt man zum Hotel 25hours. Schon die Lobby lädt zum Verweilen in den flauschigen Hängematten ein. Fährt man mit dem Aufzug in den 10. Stock, kommt man in die Monkey-Bar, die einen Wahnsinnsausblick auf die Tiergehege des Zoologischen Gartens und natürlich die Gedächtniskirche hat.


Abenteuerlicher Ausflug auf den Teufelsberg

Über den Teufelsberg wurde auf Lilies Diaries an anderer Stelle schon ausführlicher berichtet, aber er gehört einfach auf jeden Fall noch einmal erwähnt. Ich glaube, dass der Ausflug zu dem „Trümmerberg“ und seiner ehemaligen NSA Abhörstation mein Highlight in Berlin war. Wir hatten uns zuvor über Eintritt und mögliche Führungen im Internet informiert, als wir aber nach einem fast 45 minütigen Fußmarsch oben ankamen, war da nur ein Typ der 5 Euro Eintritt verlangte. Es schien zwar nicht so, als würde er das offiziell machen, dafür gab’s von ihm kühle Limos gegen freie Spende. Der Teufelsberg wirkte auf mich wie ein riesiges zweites Wohnzimmer von vielen unheimlich begabten und kreativen Streetart Künstlern. Hier kann man wirklich stundenlang über das Gelände und durch die alten Gemäuer laufen und viele tolle Kunstwerke entdecken. Natürlich hat man von der Dachterrasse auch einen super Ausblick über die Stadt und den angrenzenden Grunewald. Auf jeden Fall solltet ihr eine Kamera mit vollem Akku mitbringen, denn hier bietet sich die Gelegenheit für die ein oder andere Fotosession.


Chillen in Kreuzberg

Wie kann man einen erlebnisreichen Tag besser ausklingen lassen als bei einem gemütlichen Bier an der Spree, inklusive Sonnenuntergang? Die ziegelrote Oberbaumbrücke, die im Minutentakt von knallgelben U-Bahn Zügen überquert wird, sieht fast ein bisschen märchenhaft aus. Die berühmte East Side Gallery ist auch gleich ums Eck und falls einem dann der Magen knurrt, sollte man den Burgermeister bei der Station Schlesisches Tor ausprobieren – das besondere hierbei ist, dass das Lokal in ein ehemaliges Pissoir eingezogen ist.


Relaxter Sonntagnachmittag im Mauerpark

Den Sonntag im Mauerpark zu verbringen ist bei Einheimischen genauso beliebt wie bei Touristen. Hier gibt es einfach immer etwas zu tun. Sei es ein ausgedehnter Bummel durch die Flohmarktstände und Streetfood-Trucks, das Verkosten von exotischen Zuckerrohrsäften, einfach mal Schaukeln gehen oder, mein persönliches Highlight, Zuschauer bei der Karaokeshow sein. In der Mitte eines Amphitheaters haben sich zwei Typen schon seit Jahren einen Monopolstatus erarbeitet. Mit zwei Boxen, einem Mischpult und einem Laptop verhelfen sie singfreudigen Leuten aus aller Welt zu ihren paar Minuten im Rampenlicht. Das coole hier ist, dass die Menge wirklich jedes Lied abfeiert – egal ob die gesangliche Leistung jetzt gut war oder noch ausbaufähig ist. Die Mischung macht’s einfach interessant, und kaum schaut man auf die Uhr sind schon zwei Stunden vorbei. Nach diesen musikalischen Höchstleistungen darf man sich auf jeden Fall ein leckeres Abendessen gönnen, mein Tipp: das Pune Restaurant gleich neben dem Mauerpark. Hier gibts nicht nur richtig gutes indisches Essen sondern auch super Cocktails unter 4€ inklusive Begrüßungs-Aperitif und Verdauungsschnaps.


Jüdisches Museum – Spannende Geschichte und Architektur erleben

Das Jüdische Museum ist für mich nicht so ein typisches Museum, bei dem mir das Durchgehen manchmal schon zu lange wird. Ich war bereits zum zweiten Mal dort, einfach aus dem Grund, da ich bei meinem ersten Besuch nicht genügend Zeit hatte, alles anzusehen. Die Architektur von Daniel Libeskind ist wirklich beeindruckend, hier lohnt es sich auf jeden Fall auch 3€ in einen Audioguide zu investieren, um ein bisschen mehr darüber zu erfahren. Er arbeitet bewusst mit großen Leerräumen, so genannten Voids, um Bewusstsein für die Leere und das Fehlende zu schaffen, auch in Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg. Einer dieser Voids ist im Freien, der Garten des Exils, und er ist auf ein interessantes, etwas schwindelerregendes Erlebnis. Ich finde, wenn man ein paar Stunden Zeit hat zahlt es sich aus, sich auf das Museum einzulassen und seine eigenen Erfahrungen daraus mitzunehmen.


Nach diesen erlebnisreichen Tagen in Berlin habe ich wieder richtig Lust auf diese Stadt bekommen und werde bestimmt bald wieder vorbeischauen um die nächsten Ecken Berlins zu erkunden. Vielleicht schaffe ich es ja nächstes Mal auch ins Berghain, so rein interessehalber. Aber das ist eine andere Geschichte.