Tagebuch eines Kreuzbandrisses – Diagnose, Operation und Reha Teil 1

Ich hab lange überlegt, ob ich einen Blogpost zu diesem Thema schreiben soll. Liest das überhaupt wer? Ich denk mir, wenns nur eine Person liest, die vielleicht in einer ähnlichen Situation ist, und ihr dadurch etwas Angst genommen werden kann, ist es das schon Wert. Als ich die Diagnose vorderer Kreuzband- und Meniskusriss bekam, brach für mich meine Welt zusammen. Ich war am Boden zerstört und hatte einige Tage echt immer wieder ganz heftige Heulanfälle, weil ich es einfach nicht wahrhaben wollte. Mir haben diverse Erfahrungsberichte und der Kontakt zu anderen Leidensgenossen geholfen, mich etwas zu beruhigen. Aber fangen wir von vorne an.

Das Jahr 2020. Ganz frisch und unverbraucht. Neues Jahr, neue Ziele, ganz viele Pläne. Ich wollte gleich mal sportlich starten und so gingen mein Freund und ich am 2.1. zum Bouldern in die Boulderhalle. Bei meiner 2. Aufwärmroute ging ich gleich an eine etwas überhängende Route, konnte den einen Griff nicht halten und fiel aus etwa 1m Höhe auf die Matte. Nicht mein erster Sturz, und auch lange nicht mein höchster…aber während dem Sturz fühlte es sich schon wie in Zeitlupe an und ich hatte genug Zeit mir zu denken „Scheisse, das geht nicht gut aus!“. Die Landung fühlte sich einfach falsch an, besser kann ich das nicht beschreiben. Ich streckte blöderweise vor dem Landen das Bein aus und stauchte dabei voll ein. Mein Knie drehte es in eine Richtung, in die es nicht gehen sollte, und dann lag ich schmerzverzerrt auf dem Boden. Ich wusste nicht, wie ich mich drehen oder wenden sollte, damit die Schmerzen weniger wurden. Ich bekam einen Eisbeutel aber das war zu wenig. Mein Freund rief die Rettung. 15 Minuten in der Kletterhalle und ich war bereit für den Abtransport. Die Rettung kam, schiente mein Knie (höllische Scherzen!) und brachte mich mit Blaulicht ins UKH Linz. Dort gab’s Röntgen und die kurze Diagnose der Ärztin: Quasi eh nix weil nicht gebrochen und nicht arg angeschwollen. Verband und Kühlsalbe drauf, Krücken und bella ciao. Geil. Dass es nicht gebrochen war habe ich mir schon gedacht, aber es war mehr als nur eine Verstauchung, das fühlte ich. Zurück in Graz ging ich also zum Sportarzt und der schickte mich mit Verdacht auf Meniskusriss sofort zum MR. Ich bekam eine riesige Schiene und er legte mir nahe, weiterhin mit Krücken unterwegs zu sein. Zwei Wochen nach dem Unfall hatte ich mein MR.

Danach kam die Diagnose: vorderes Kreuzband und Meniskus sind gerissen, Seitenband ev. auch beschädigt. Unhappy Triad also. 

Ich wusste zu dem Zeitpunkt nichtmal genau was das Kreuzband tut bzw. warum es so wichtig ist, und war milde gesagt geschockt darüber, als der Arzt sagte: wir müssen auf jeden Fall operieren. Bis du wieder bouldern kannst dauert es ca. 9 Monate. 9 Monate!!! Ich dachte Anfangs, dass ich vielleicht 2-3 Monate mit einer Schiene herum laufen muss, bisschen Physio mache und dann passt alles wieder. Aber OP & mindestens 9 Monate Reha klang einfach schrecklich. Ich brach noch beim Arzt in Tränen aus. All meine Reisepläne und was das Jahr 2020 nicht hätte bringen sollen waren im Arsch, so richtig.

Der Arzt wollte aber noch warten bis min. 2 Monate nach dem Unfall vergangen waren, bevor er mich operierte. Mir was das viel zu lange.. Ich wollte eine zweite Meinung und ging zu einem Kniespezialisten. Er verschrieb mir Physiotherapie vor der OP, sagte ich soll Schiene und Krücken sofort weggeben und eine Woche später lag ich bei ihm am OP-Tisch.

 

 


Tag 0 – OP am 30.1.2020

Ich hatte riesige Angst. Ich wurde schon mal operiert und hatte dabei eine Vollnarkose, die ich überhaupt nicht vertragen hatte, daher riet mir die Narkoseärztin zu einem Kreuzstich. Ich hatte Angst irgendeine Art von Lähmung davon zu tragen und, dass mein Knie nachher schlechter ist als vorher. Ich hatte einfach kein Vertrauen in die Ärzte, obwohl der behandelnde Orthopäde einer der besten Knie-Chirurgen in Graz ist. Ich zitterte am ganzen Körper und wollte einfach nur, dass es vorbei ist. Mein Freund hatte sich glücklicherweise den ganzen Tag frei genommen und war mit mir im KH, sonst wär es noch schlimmer gewesen.
Der Kreuzstich war für mich ganz komisch. Die Beine werden ganz warm und schwer und ich hatte das Gefühl vom Becken an in ein Loch zu sinken. Ich bekam auch Schlafmittel, damit ich nichts mitbekomme. Da ich vor der OP das Bein trotz ausgiebiger Physio nicht in die Streckung bringen konnte, war nicht ganz klar, ob ich vielleicht eine 2. OP brauche oder nicht. Der Arzt operierte normalerweise nur bei guter Streckung, da dies sich auch bei der Heilung auswirkt.
Während der OP stellte sich heraus, dass mein Kreuzband sich im Knie verklemmt hatte und ich es deshalb nicht strecken konnte. Ich bekam ein Transplantat aus meiner eigenen Semitendinosussehne und der Meniskus bekam eine Sicherungsgnaht und wurde teilweise auch weggefräst. Die OP dauerte glaub ich nicht länger als 1 Stunde. Zurück im Zimmer bekam ich einen Implantat-Ausweis, weil ich ab jetzt ein bisschen Metall im Körper hab. Durch den Kreuzstich gehts mir eigentlich relativ gut und ich kann nach der OP noch ein bisschen was essen. Aufstehen darf ich heute nicht mehr, deshalb gibt’s leider für mich & meine Zimmerkollegin (die heute genau die gleiche OP hatte) nur mehr die Bettpfanne. TV ganz laut drehen und in die andere Richtung schauen…

 

 

Tag 1

Zugedröhnt von Infusionen und Schmerzmitteln, Physio kommt am Vormittag um mit uns Krücken-Gehen zu üben. Ich darf nur teilbelasten. Schaffe es aufs Klo und zum Umziehen, nach einigen Schritten wird mir durch die Schmerzmittel aber so schwindelig, dass mir schwarz vor Augen wird. Zurück ins Bett. Ohne Hilfe trau ich mich heute nicht mehr aufstehen, weil ich Angst habe umzukippen.

Tag 2

Ich kann allein aufs Klo! Mit der Physio die ersten 10 Stiegen rauf und runter. Duschen & Mittagessen im Krankenhaus, danach Entlassung. Ich darf die nächsten 3 Wochen nur teilbelasten und muss mit Krücken gehen. Bin ab jetzt also auch 3 Wochen im Krankenstand. Daheim Schmerzmittel und Angst vor dem Aus-dem-Bett steigen. Zögere das aufs Klo gehen immer ewig hinaus, damit ich nicht unnötig aufstehen muss. Bin K.O.

 

 

Tag 3

Schmerzmittel sind meine Freunde! Die tägliche Thrombosespritze in der Früh nervt. Ich schaffe es einfach nicht mir die selbst zu geben, deshalb macht das mein Freund. Klappt meistens ganz gut. Ich muss meine Essgewohnheiten etwas anpassen weil ich die ganzen Tabletten nicht auf leeren Magen nehmen darf, ich normalerweise aber am Morgen nichts esse. Längeres Sitzen ist für den Kreislauf kein Problem mehr.

 

Tag 4

Habe heute die 1. Physiotherapie mit neuem Kreuzband. Bin bei einem neuen Physiotherapeuten, den mir mein Orthopäde empfohlen hat. Bekomme Übungen, die ich in kurzen Einheiten mehrmals am Tag machen soll. Kurzer Besuch im Einkaufszentrum um mir eine kurze Hose zu kaufen. Durch das ständige Tragen der Thrombosestrümpfe wirds in der langen Jogginghose schnell recht warm. Mein Freund kauft mir einen Servierwagen mit Rollen (damit ich mein Essen & Getränke vor mir her schieben kann mit den Krücken) & einen kleinen Rollwagen für meine Physio-Übungen.

 

 

Tag 7

Habe noch immer Schmerzen aber will nicht mehr so viele Schmerzmittel nehmen, da die mir schon vor der OP den Magen ziemlich durcheinander gebracht haben. Probiere 5% CBD Tropfen- insgesamt 9 Tropfen auf den Tag verteilt. Mache ein kleines Physio-Workout am Morgen, bin ziemlich müde am Abend.

Tag 8-10

Sobald ich länger sitze, „rostet“ mein Knie ein, und es dauert ein bisschen länger, bis ich es wieder strecken bzw. beugen kann. Gleich nach der OP war meine Streckung nicht so schlecht, ist gefühlt aber in den letzten Tagen wieder schlechter geworden. Ich habe Angst vor einem Streckdefizit. Klebe mir mehrmals am Tag mein TENS-Gerät aufs Knie, vorwiegend gegen die Schmerzen. Eine bestimmte Stelle vorne am Knie hat kein Gefühl, sie hat kurz zu kribbeln begonnen, ist aber noch immer komisch. Mache viele Streckübungen.

 

Tag 11

Sitze während der Physio zum 1. Mal am Ergometer (mit ganz niedrigen Pedalen & hohem Sitz). Am Nachmittag rutsche ich blöderweise von der Couch und belaste die Ferse vom operierten Knie- stechender Schmerz & große Angst, etwas kaputt gemacht zu haben.

Tag 12

Termin beim Orthopäden & Entwarnung: Die Schmerzen sind an der Entnahmestelle meiner Sehne und nach der Operation ganz normal. Mir werden die Nähte gezogen, was ich mir viel schmerzhafter vorgestellt habe! Soweit also alles nach Plan. 10 Tage noch mit Krücken, dann Vollbelastung!

 

Tag 14

Beugung bei 80°, zum ersten Mal Beinpresse mit 20kg, mit leichter Hilfe vom 2. Bein. Habe in der Kniekehle einen komischen Knoten, der bei Druck wehtut- greif deshalb lieber nicht mehr hin.

Tag 15

Ich hab mir einen Ergometer auf willhaben gekauft. Wie sich noch herausstellen wird die beste Investition des Jahres! Ich kann zwar noch nicht drauf sitzen weil ich dazu ca. 90° Beugung brauche aber hey, er is da und bereit! Wenn ich länger sitze tut mir das Knie noch weh, muss es dann wieder hochlagern und strecken.

Tag 19 & 20

Bin bei ca. 90° Beugung! Ich trau mich mein Workout jetzt nicht mehr nur am Sessel zu machen sondern bin ab jetzt wieder auf der Matte.

Tag 22

Ab heute kann ich die Krücken weglassen bzw. mal verkehrt herum nehmen, da sie so etwas instabiler werden. Ganz weglassen geht natürlich noch nicht von einen Tag auf den anderen.

Tag 23

Bergreha und die ersten 10 Höhenmeter! In die Berg bin i gern, und das Ziel von dem ganzen kann nur sein wieder völlig fit für +1000hm zu werden. Aber Babysteps! Mit der Gondel & Krücken geht es auf den Schöckel, dort einen gemütlichen Spaziergang zum Gipfelkreuz und zurück.

 

Tag 24

Weil ich seit der OP nicht in meiner normalen Schlafposition schlafe, hab ich Kreuzweh. Außerdem hab ich von meiner ausgiebigen Wanderung gestern Muskelkater im Wadl, also ab zur Massage. Danach probier ich ein bisschen „Wassergymnastik“ und gehe im Kinderbecken des Hallenbades etwas hin und her und versuche das Bein etwas mehr zu strecken & zu beugen. Naja, bin nicht so der Hallenbad-Fan. Neuer Meilenstein: Ich kann nun auf meinem eigenen Ergometer sitzen!! 

Tag 25

Krankenstand vorbei, back to work. Aber dann kommt alles anders. 1. Tag zurück & Job ist weg. Shit happens. Dieses Jahr ist also nicht meines, das bekomm ich schon mit. Mein Optimismus ist ohnehin seit meinem Kreuzbandriss in Mitleidenschaft geraten aber das ist jetzt echt nochmal ein Schlag in die Magengegend. Nun bin ich also verkrüppelt und arbeitslos.

 


1 Monat ist vorbei!

 

Tag 26-32

1 Monat post OP. Mir gehts nicht gut. Psychisch bin ich an meiner Grenze. Ich dachte, mit dem Knie gehts langsam wieder bergauf und dann trifft mich die Kündigung aus heiterem Himmel. Ich muss mit meinem ehemaligen Chef über die Kündigungsbedingungen der einvernehmlichen Kündigung streiten und das macht mich ganz schön fertig. Ich habe mich beim Fitnessstudio angemeldet und dort 1h ein Workout gemacht (vorrangig nicht für die Beine). Fürs Knie mache ich viele Streckübungen und klebe mir regelmäßig das TENS-Gerät für die tägliche Stromschlagdosis drauf. Meine Streckung ist noch immer echt mies und irgendwie steckts vorne im Knie. Ich habe gelesen, dass eine Kniescheibenmassage hilft, alles etwas aufzulockern also probiere ich das mal, und siehe da, es funktioniert wirklich!  Bin 1 Stunde in der Ebene spazieren (mit Wanderstöcken).

 

Physio-Übungen die mir helfen:

  • Gehübung mit Kniehochziehen
  • auf Zehenspitzen gehen
  • viel am Balanceboard stehen (vorerst nur mit rechts-links Balance und nicht in alle Richtungen)
  • einbeinig stehen und mit einer Hantel in der ausgestreckten Hand eine 8 in die Luft zeichnen- 4x wiederholen
  • Ferse auf Polster legen und Knie „durchhängen“ lassen um in die Streckung zu kommen
  • Massage von Kniescheibe (also die Kniescheibe einfach etwas hin- und herschieben)
  • Gummiband um die Knöcheln geben und hüftbreit kleine Schritte vorwärts machen
  • Viel Radfahren & den Widerstand immer mehr steigern

 

 

Tag 35

Beugung bei ca. 110°! Physio sagt ich soll weiter Krafttraining machen. Ich kann die Stufen wieder normal hinunter gehen! Arbeite an meinen Bewerbungen und habe schon erste Gespräche mit potentiellen neuen Arbeitgebern.

Tag 37 & 38

Bin zu Besuch bei meinen Eltern am Land und mache zwei „längere“ Spaziergänge mit je ca. 3 km, einmal mit und einmal ohne Stöcke.

Tag 39

6 Wochen Check-Up beim Orthopäden: Alles super! Ich soll viel Radfahren. Bei der Physio fange ich nun mit einbeinigen Kniebeugen an. Anfangs sind die noch sehr zurückhaltend und ich komme nicht allzu weit in die Beugung. Bin vorerst das letzte Mal bei meinem Physio, weil ich durch die Arbeitslosigkeit ein bisschen Geld sparen will und der private Physio doch etwas teuer ist. Bin ab jetzt bei der Physio der ÖGK, die bekommt man nämlich voll erstattet.

Tag 43

Bin das erste Mal bei der neuen Physiotherapeutin. Sie knetet mein Knie so fest, dass es den ganzen Tag über weh tut. Bin nicht so happy. Es ist ungewiss, wie es mit der Therapie wegen dem Corona-Virus weitergeht.

 

Mein tägliches Morgen-Workout besteht aus aufwärmenden Gehübungen (Kniehochziehen, auf Zehenspitzen, breitbeinig mit Widerstandsband), min. 20 Minuten am Ergometer, Balanceboard – auch einbeinig, jeden zweiten Tag einbeinige Kniebeugen -10x & 3 Wiederholungen, Gesäßkraftigungsübungen

 

Tag 44 

Meine erste wirkliche Wanderung! Von Windischgarsten auf den Wurbauerkogel – 3,8 km und 263hm bergauf. Bergab waren es dann nur 92hm, dann hat mich mein Freund mit dem Auto abgeholt. Das neue Kreuzband mag Bergabgehen noch nicht so wirklich. Und die ganze Zeit natürlich mit Stöcken unterwegs, und sehr gemächlich. Die Kondition muss erst wieder aufgebaut werden.

 

 

Tag 45

Gleich noch eine Wanderung, diesmal auf den Damberg – 5,7km und 250hm, diesmal auch bergab. Nach der Tour spüre ich das Knie schon ziemlich und setze mich daheim noch für 40 Minuten auf den Ergometer.

Tag 46 = 1. Tag der COVID-Quarantäne

2020 ist ein Top Jahr 🙂 Kreuzbandriss, OP, Job verloren und dann noch Corona-Pandemie. Why the fuck not. Ab heute gibt’s für mich also vorerst keine persönliche Physiotherapie mehr. Auch das Fitnessstudio ist gesperrt, daher bleibt mir nur das Home-Workout und Spazieren/Wandern gehen. Jetzt macht sich das gekaufte Ergometer erst recht bezahlt! Meine Bewerbungsgespräche finden ab jetzt über Skype oder sonstige Videocall-Plattformen statt. Etwas komisch ist das schon alles.

Tag 49

Wir machen eine Wanderung auf den Plabutsch: 7,6km und 370hm bergauf und bergab, ein neuer Rekord! Aber beim Runtergehen zwickt’s dann spätestens ab der Hälfte. Ich brauche immer wieder kurze Pausen und massiere mein Knie ein bisschen.

 

 

Tag 50

Ich fahre zum 1. Mal wieder auf meinem echten Radl! Mein Freund und ich fahren den Murradweg entlang aber der ist gedroschen voll. Es wird zum Slalom zwischen Läufern, Familien mit Kindern und anderen Radlfahrern. Das Knie fühlt sich noch ein bisschen komisch an beim Radeln.

Tag 53

Habe gestern verstärkt das Knie gestreckt und heute tuts mir deshalb weh. Nehme 3 CBD Tropfen dagegen. Verwende auch wieder das TENS-Gerät und sitze 30 min. am Ergometer, schaffe 8,6 km in der Zeit. Am Abend gibt’s einen kurzen Spaziergang in der Nachbarschaft.

 


2 Monate mit dem neuen Kreuzband!

 

Tag 55 & 56

Wow, 2 Monate. Ganz schön viel passiert seit der OP. Mein Physiotherapeut hat mir angeboten, mit mir per Videocall einmal pro Woche meinen Fortschritt zu besprechen. Heute ist der erste Call. Er gibt mir eine neue Streckübung, die ich mit dem Widerstandsband mehrmals täglich machen soll. Es geht darum, die Überstreckung zu schaffen, da ich die normale Streckung schon habe, aber beim Überstrecken eben noch einiges fehlt. Er hat in seinen Therapieeinheiten auch immer meine Streckung und Beugung fotografisch festgehalten. Ich werde das ab jetzt selbst daheim machen, damit ich einen besseren Überblick habe.

Tag 57

Nachdem das Fitnesstudio zu ist, habe ich versucht mein Workout so gut es geht in meiner Wohnung zu machen. Problem: Ich habe keine Pull-Up Stange! Ich habe also angefangen auf meinem Türrahmen Klimmzüge zu machen, und wollte schauen, ob ich heute einen mehr schaffe als gestern. Manchmal gehts einem einfach zu gut! 4 Pull-Ups waren einer zu viel. Ich lande etwas unkontrolliert auf meinem operierten Bein, habe unmittelbar nachher Schmerzen…und Angst! Es zieht in der Kniekehle. Ich mache einen kleinen Spaziergang aber ich bin echt nervös, dass ich da was geschrottet habe.

Tag 58

Mein Knie brennt und fühlt sich komisch an. Trotzdem will ich eine kleine Wanderung machen. Es werden 3,6km mit 155hm bergauf, nach 80hm bergab ist Schluss. Ich fühl mich nicht sicher mit dem Knie und hab Angst es mehr kaputt zu machen, deshalb läuft mein Freund zum Auto und holt mich ab. Mein Knie ist nach der Tour steif und die Beugung ist auch schlechter als vorher 🙁

Tag 59

Heute nur 17 Minuten auf dem Ergometer, dann fängt es an weh zu tun. Knie ist nicht geschwollen, auch Streckung geht normal. Stehe kurz am Balanceboard, dann tut aber auch das weh. Voltadol Creme aufs Knie & TENS-Gerät im Einsatz. Heut wird nur mehr gechillt.

 

Tag 60

Ich hab einen Termin bei meinem Orthopäden ausgemacht, das geht Gott sei Dank auch während der Coronakrise, diesmal halt mit Mundschutz. Ich bin total nervös und mir ist es auch peinlich mein Missgeschick mit dem Klimmzug zu beichten. Er untersucht mein Knie und dann die Entwarnung: alles safe! Ist wohl nur leicht verstaucht. Es ist völlig normal, dass man nach so einer OP doppelt verängstigt ist, irgendwie wieder was kaputt zu machen. Missgeschicke passieren wohl jedem sagt er, man stolpert über Stufen, stürzt mit dem Rad, läuft wo dagegen oder fällt so wie ich vom Türrahmen.

Tag 62

Knie ist wieder fit, keine Schmerzen und alles normal soweit. Habe wieder eine Physio-Besprechung über Videocall. Ich darf ab jetzt mit leichten, beidbeinigen Hops-Übungen anfangen (wenn ich schon aufgewärmt bin). Das fühlt sich am Anfang noch sehr komisch an. Ich merke richtig, dass ich auch beim beidbeinigen Hopsen mehr Gewicht auf das gesunde Bein gebe und links nur sehr wenig belaste. Es brennt auch ein bisschen nachdem ich die Hops-Übungen zum ersten Mal mache. Das sollte sich mit der Zeit geben, sagt mein Physiotherapeut.

Tag 67

Weiterer Physio-Call. Ich kann beginnen, einbeinig auf dem Balanceboard zu stehen, mein Freund kann mich auch immer wieder versuchen durch kleine Schubser aus der Balance zu bringen. Ich soll immer wieder einbeinige Kniebeugen machen, versuchen weiter in die Beugung zu kommen und 3x wiederholen.

 

Tag 71

Ich hab einen neuen Job! Damit hab ich nicht gerechnet, in dieser Krisensituation so schnell etwas Neues zu finden! Dem Knie gehts auch gut, ich mache immer wieder Spaziergänge in der Grazer Gegend und mein morgendliches Physio-Workout.

 

Tag 75

Wieder ein Gespräch mit meinem Physio. Ich soll ab jetzt mit dem Sprung- und Landetraining beginnen. Also einfach mal einbeinig auf dem gesunden Bein stehen und auf das linke Bein hüpfen. Das kann dann mit verschiedenen Absprunghöhen gesteigert werden. Da ich keine passenden Gegenstände zum runterhüpfen in der Wohnung habe, übe ich vorerst im Treppenhaus und hüpfe immer eine Stufe runter. Das erste Mal mach ich es aber ohne Stufe und brauche kurz, um mich psychisch auf den „großen Sprung“ vorzubereiten. Es mag komisch klingen aber es kostete mich ein bisschen Überwindung einfach auf mein operiertes Knie zu springen. War aber alles ok, tat auch nicht weh.

Tag 79

Wanderung auf die Hohe Rannach mit 7km/340hm bergauf und bergab, alles super, keine Schmerzen. Beim Bergabgehen fühle ich mich aber noch immer wie eine alte Frau. Ich gehe total langsam und setze meine Schritte ganz vorsichtig. Vor der Verletzung bin ich den Berg oft hinunter gelaufen. Jetzt wäre an sowas nicht zu denken. Bergauf ist’s viel einfacher.

 

Tag 81

Ab zum 3 Monats-Check beim Orthopäden. Alles passt, er ist happy, dass sich alles so gut entwickelt, obwohl es bei mir vor der OP so Probleme mit der Streckung und Beweglichkeit gab. Muskelaufbau ist wichtig! Ich soll viel Rad fahren, den Widerstand immer steigern. Am Besten mit dem echten Rad einen Berg rauffahren. Aber Mountainbiken ist gar nicht meins, da geh ich lieber zu Fuß den Berg rauf 🙂 Außerdem bekomme ich das OK von ihm, mit langsamen „Traben“ zu starten- also laufen. YES! Auf das habe ich schon gewartet.

Tag 83

Ich gehe also zum ersten Mal „Traben“. Ich war nie eine schnelle Läuferin, bin auch maximal 10km gelaufen. Aber das was jetzt nach der OP abgeht ist eine neue Definition von „langsam“. Ich trabe insgesamt 2km, mit zwei kurzen Gehpausen dazwischen, und brauche dafür 21 Minuten. Aller Anfang ist schwer. Es wäre wohl noch mehr gegangen aber ich wollte mal ganz vorsichtig schauen, wie mein Knie auf diese neue Bewegung reagiert. Am Abend machen mein Freund und ich noch einen Spaziergang zur Burgruine Gösting, auch locker mal 230hm. Danach meldet sich das Knie, das war wohl ein bisschen zu viel für einen Tag, es sticht und ist ziemlich heiß.

Was echt erschreckend ist, ist wie schnell man an Muskelmasse abbaut. Hier zwei Fotos im Vergleich, einmal 2 Wochen nach der OP (6 Wochen nach dem Unfall) und einmal 3 Monate nach der OP.

 

 

 

 


Happy 3 Monate!

 

 

Tag 84 & 85

Ich hab Muskelkater! So wie wenn ich sonst mal 10km gelaufen wäre. Echt heftig, dass man das so schnell spürt. Ich fahre ein bisschen auf dem Ergometer aber chille sonst eher.

 

Tag 86 & 87

Ein aktives Wochenende. Wir machen am Samstag und Sonntag gleich zwei „längere“ Wanderungen: einmal aufs Rennfeld 7km/460hm und einmal auf den Matzlerberg 11km/420hm. No pain & alles safe. Natürlich bin ich nach wie vor bergab immer mit Stöcken unterwegs, bergauf gehts meistens ohne.

Tag 89

Ich geh dann mal traben. Diesmal sind es schon 3km, ohne Pause und das in knappen 30 Minuten. 9:49 min/km. Kurz nach dem Lauf sticht das Knie ein bisschen, das geht aber bald vorbei und am nächsten Tag habe ich auch keinen Muskelkater.

 

Innerhalb der letzten 3 Monate seit der OP habe ich bis jetzt schon 3475 Höhenmeter hinter mich gebracht und ich habe das Gefühl, dass ich Woche für Woche meine Kraft zurückgewinne. Aber es liegt noch ein weiter Weg vor mir.

Tag 91

Gestern hatte ich noch Muskelkater vom Traben. Heute stelle ich einen neuen Höhenrekord beim Wandern auf: Von der Teichalm auf den Hochlantsch 10,8km mit 520hm. Rauf ist der Weg noch sehr abenteuerlich für mein Knie – zum 1. Mal wieder ein echter Wanderweg quasi und nicht „nur“ eine Forststraße. Beim Bergab-Gehen tut das Knie schon weh. Das war eindeutig noch ein bisschen zu viel! Aber das Gefühl am Gipfel ist unbeschreiblich. Ich bin so glücklich, endlich wieder auf einem höheren Berg mit echter Aussicht zu stehen, dass ich fast ein paar Freudentränen in den Augen habe 😉

 

 

Tag 93

Gemütliche Wanderung aufs Waxriegelhaus. Das Knie zwickt aber noch immer von der Hochlantsch-Wanderung. Sollte noch ein bisschen chillen.

 

Tag 95-99

Meine erste Arbeitswoche in der neuen Firma. Also gleich mit dem Rad 15 Minuten in die Arbeit fahren. Dabei sticht es heute ein bisschen. Ich mache am Abend Dehnübungen und klebe mit das TENS dran. Habe auch meine 1. echte Physiotherapie-Einheit nach dem Corona-Lockdown!

 

Tag 101

Ich bin wieder Traben, wieder 3km, diesmal aber schneller als letztens. Brauche nun im Schnitt 9:13 min/km. Eine kurze Gehpause nach der Hälfte des Weges.

 

Tag 102

Ich hab Kreuzweh. Und zwar richtig. Schon seit ca. 3 Wochen tut mir beim Aufstehen regelmäßig der Rücken weh, aber jetzt ist es schlimmer als vorher. Gehe am Abend zur Massage, hoffe es geht bald weg.

 

Tag 103-107

Das Kreuzweh geht nicht weg, wird eher schlimmer, und wandert vom Rücken plötzlich nach vorne in die Leisten. Alles zieht und sticht. Ich nehm Wärmecreme und kleb mir das Tens auf die schmerzenden Stellen. Meine Physio fürs Knie kommt grade viel zu kurz weil ich keine Lust habe mich mit den Schmerzen zu bewegen. Je weniger ich mich bewege desto schlimmer wird’s aber. Ich gehe nochmal zum Masseur – diesmal Schröpfen.

 

Tag 111

Ich hab heut wieder Physiotherapie, diesmal wird die Zeit aber ausschließlich für mein Rücken/Leistenproblem genützt. Das Knie tut mir nämlich grade nicht mehr weh. Ich lerne ein paar Übungen für die Entlastung der Bandscheiben kennen und werde die jetzt öfter machen.

Tag 112

Die Übungen gestern haben wohl ihre Wirkung gezeigt, denn meinem Rücken geht es besser und der stechende Schmerz in den Leisten ist heute verschwunden. Wir nutzen den heutigen Feiertag für einen kleinen Wanderausflug und gehen auf den Arlingsattel. Gute 500hm rauf und runter, ganz ohne Schmerzen!


Tag 114

Ich gehe heut wieder laufen. Und ja, ich nenn es ab jetzt laufen und nicht mehr traben 😉 Heute sind es zum 1. Mal 4km und ich brauche im Schnitt 8:40 min/km.

 

Tag 116

Heute gab es ein kleines Workout und 20 min am Ergometer. Irgendwie knackst seit heute mein Knie bei fast jedem Schritt. Das tut zwar nicht weh aber es fühlt sich komisch und an nervt nach einigen Schritten auch ziemlich. Ich bleibe dann öfters stehen und dehne das Knie stark durch, dann ist das Knacken für eine gewisse Zeit wieder weg. Sobald ich aber z.B. länger sitze und danach aufstehe geht es mit dem Knacken wieder los.

 

Tag 118

Ich war heute 5km laufen! Und wieder ein bisschen schneller als letztens: 8:36 min/km. Ich habe aber zwischendurch 2 kurze Gehpausen gemacht und das Knie tat schon durchgehend etwas weh. Meine Kniescheibe war auf einmal ganz wabbelig und fühlte sich bei jedem Schritt so an, als würde sie aufpeppeln. Nach dem Laufen hatte ich aber eigentlich keine Probleme ode Schmerzen.

 


4 Monate seit der OP

 

Tag 120

Ich habe heute wieder Physiotherapie und die verbringe ich vorwiegend springend. Der Physiotherapeut misst, wie weit ich einbeinig mit dem rechten Bein springen kann: aus dem Stand komme ich hier auf ca. 114cm Weite. Mit dem operierten linken Knie sind es ca. 45cm. Naja. Das Springen fühlt sich unsicher an. Ich habe Angst zu hart zu landen und springe daher auch sehr verhalten weg. Ich bekommen die Aufgabe, daheim die 40cm Abstand auf dem Boden zu markieren, und diese „sichere“ Distanz öfters anzuspringen. Mit viel Kraft und selbstbewusst. Das Wegspringen kostet mich jedes Mal wieder ein bisschen Überwindung. Ich mache außerdem einen Test, bei dem es um die psychische Bereitschaft für die Rückkehr zu meinem Sport – also Bouldern – geht. Wer 100% hat ist quasi wieder psychisch voll bereit und fit, ich hatte 35%… Ist also noch ausbaufähig. Da waren Fragen wie z.B. ob ich frustriert bin, meinen Sport nicht ausüben zu können, ob ich Angst habe mich wieder zu verletzen oder ob ich glaube, je wieder auf mein Level vor der Verletzung zu kommen. Natürlich hab ich Angst! Ich kann mir nicht vorstellen, je wieder so risikofreudig neue Routen beim Bouldern zu probieren, wo ich Gefahr laufe wieder unkontrolliert zu fallen. Und ist es dann überhaupt noch das selbe? Nur die leichten Routen zu klettern ist ja auch langweilig. Nachdem die Kletterhallen nun nach dem Corona-Lockdown auch ab heute wieder offen haben, werde ich vorerst mit dem Seilklettern wieder langsam starten und dann schauen wie es mir dabei geht.

 

4 Monate sind nun vergangen, seit ich das neue Kreuzband habe, und ich habe schon 5614hm auf meinem Konto. Nicht so schlecht, finde ich! Ich habe mal kurz nachgerechnet, wieviele Höhenmeter ich letztes Jahr zur selben Zeit von Jänner – Mai gegangen bin… es waren 500hm weniger! Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, aber es macht mit ein bisschen stolz.

Tag 121

Auch die Hotels haben nun endlich wieder offen, das nutzen wir gleich für einen kleinen Wochenendtrip nach Kärnten & Tirol. Heute machen wir eine Wanderung mit ca. 11km und 650hm. Alles problemlos mit meinem Knie.

 

Tag 122

Heute habe ich die abenteuerlichste Wanderung seit langem gemacht. Dazwischen hatte ich aber ein bisschen ein mulmiges Gefühl, weil wir mit den normalen Trekkingschuhen über steile Schneefelder gehen mussten, da der Weg noch eingeschneit war. Ich hatte Angst einzubrechen und dabei mein Knie unkontrolliert zu verdrehen. Es ging aber alles glatt. Gut, dass ich die Stöcke sowieso immer mit dabei habe fürs Bergabgehen! Die Aussicht war dafür ein Traum und wir waren fast alleine am Berg. Insgesamt kamen wir bei der Tour auf 10,5km und 670hm. Das Knie hat alles mitgemacht, auch die kleinen rutschigen Schritte am Schnee. Ich freu mich so, dass es jetzt echt immer mehr bergauf geht – im wahrsten Sinne des Wortes!

Allein an diesem Wochenende habe ich ca. 1300hm und knapp 25km zurückgelegt.

 

 

Tag 124

Ich bin heut wieder mal im Büro gewesen, das heißt schon mal 30 Minuten am Rad insgesamt. War dann am Abend 5,2 km laufen – mit einer kurzen Gehpause dazwischen. Hatte keine Schmerzen aber mit der Kondition schaut’s etwas schlecht aus!

 

Tag 128

Heute ist Samstag und ich hab deshalb genug Zeit für einen 5km Morgenlauf. Ich brauche jetzt nur mehr 8:03 min/km! Am Nachmittag mache ich eine kleine Wanderung mit meiner besten Freundin auf die Pottschacherhütte. Nochmal 5km mit 312hm. Alles easy.

 

Tag 131 & 132

Bin wieder eine Runde laufen – 5km mit 7:35 min/km. Bis jetzt mache ich immer bei der Hälfte zirka eine kurze Geh-Pause. Mein Physiotherapeut ist zufrieden mit meinem Fortschritt. Bei meiner Streckung fehlen noch ca. 2°. Ich darf ab jetzt auch einbeinig seitlich springen und soll mir beim Abspringen den starken Absprung als Intention setzen. Ok, probier ich!

 

Tag 133

Ich habe meine Sprungweite jetzt mal wieder abgemessen. Links springe ich einbeinig schon 65cm aus dem Stand. Ich klebe das Klebeband am Boden immer weiter nach vorne, und das fühlt sich gut an! Am Nachmittag machen wir eine kleine Wanderung auf den Großofen mit 6,5km und 439hm – danach gibt’s zur Belohnung eine vegane Jause in einer Buschenschank.

 

Tag 134

Ich bin heute zum 1. Mal 6km DURCHGEHEND gelaufen. Will ab jetzt beim Laufen keine Pausen mehr machen sondern schauen, dass ich meine Kondition zurückbekomme.

 

Tag 135

Yess baby!!! 1. Klettersteig nach der Kreuzband-OP erfolgreich bezwungen. Wir haben einen ausgesucht, den wir genau vor einem Jahr schon mal gemacht haben – ich wusste also, was mich erwartet. Eine C Stelle war dabei, die mir letztes Jahr sogar noch schwieriger vorkam als heuer 😉 Klettersteig Saison ist somit auch für mich offiziell eröffnet! Ich freu mich so, dass soviel schon wieder geht mit dem Knie (nach noch nicht mal 5 Monaten). Als ich Ende Jänner im Krankenhaus lag, waren solche sportlichen Abenteuer für mich sooo weit entfernt… Und wenn ich jetzt höre, dass gewisse Sachen (z.B. Bouldern und Beachvolleyball) erst nach 9 Monaten wieder gehen, dann bricht für mich keine Welt mehr zusammen sondern ich denk mir: Ok…es geht schon so viel bis jetzt, dann werd ich halt in dem was ich schon kann einfach besser bis dahin. 🤙

 

Tag 137

Ich bin heute das erste Mal nach der Corona-Quarantäne wieder im Fitnessstudio. Es macht mir keinen Spaß… Mein Freund und unsere Freunde sind zeitgleich Bouldern. Ich will auch lieber Bouldern und nicht Gewichte drücken. Aber hilft nichts! Bei der Beinpresse drücke ich einbeinig rechts 45kg und links eine Stufe weniger – 37kg. Es sind nur 8kg Schritte möglich.

 

Tag 139

Ich sitz heute wieder mal am Ergometer und fahre 10km in 30min, beim Sprungtraining komme ich einbeinig mit links auf 79cm.

 

Tag 142

Wuhu, wieder ein Erfolgserlebnis! Ich war heute zum ersten Mal mit meinem Freund und meinem Bruder in der Kletterhalle. Ich hab mal mit ganz einfachen Routen (4b) angefangen und mich wirklich schrittweise hinaufgearbeitet. Routen mit der Schwierigkeitsstufe 5b gehen schon wieder locker mit Toprope. Ich habe dann auch noch spaßhalber die Speedkletterroute (6b+) probiert, die ersten paar Griffe gingen. Dann hatte ich aber keine Kraft mehr. Ich hab mich so gefreut, wieder klettern zu gehen. Es war ein so schönes Gefühl meinem Ziel einen Schritt näher zu sein. 🙌

 

 

Tag 143

Ich hab noch nie so viele erste Mal in so kurzer Zeit erlebt 😉 1. Mal gehen, 1. Mal laufen, 1. Mal springen, 1. Mal klettern,…. und jedes Mal wenn ich laufen gehe, knacke ich meinen Rekord vom vorherigen Mal. Diesmal laufe ich 5,6km mit einem Schnitttempo von 7:20min/km. Ich hab mal meine alten Runtastic-Einträge gecheckt- meine schnellste Zeit vor dem Unfall waren ca. 6:35min/km, das ist also mein vorläufiges Ziel!

 

Tag 145

Ich habe heute wieder ein kleines Sprungtraining gemacht und springe dabei immer abwechselnd mit rechts & links. Ich fange gerne mit dem rechten Bein an, weil ich dann weiß, wie es sich „anfühlen soll“ und auch wie weit ich kommen sollte… Ich habe mir jetzt zum persönlichen Ansporn auch ein Tape für die Sprungweite des rechten Beines hingeklebt. Rechts komme ich aus dem Stand auf 135cm, links mittlerweile auf 97cm! Ich glaube da hat ganz viel auch mit sich Trauen zu tun, nicht nur mit Kraft.

 

Tag 146

Habe heut in der Physiotherapie neue Übungen bekommen, um das „hohe links Ansteigen“ zu trainieren. Ich merke nämlich beim Klettern bzw. beim Klettersteig gehen, dass ich hohe Tritte wenn möglich immer mit dem rechten Fuß ansteige, um das linke Bein zu schonen.

 

Tag 148 & 149

Wir fahren zum ersten Mal seit der Corona Krise wieder ins Ausland, und zwar nach Slowenien! Ich bin mit meinem Freund und meinem Bruder unterwegs und auf dem Weg  bleiben wir noch in Kärnten stehen und machen eine kleine Wanderung auf den Großen & Kleinen Sauofen – 8,8km mit 417hm. Nach einer Portion Kärntner Kasnudeln gehts weiter über die slowenische Grenze. Am nächsten Tag machen wir eine Kajak Tour in der Soča, das ist mit dem Knie überhaupt kein Problem, ich merke aber nach der 3 stündigen Tour, wie schwer meine Arme sind.

 

Tag 150

Wir besteigen heute den Prisojnik im Triglav Nationalpark. Die Tour wird auf Bergfex als gut ausgebauter Klettersteig beschrieben. Ausgestattet mit dem Klettertseigset, Helmen, Handschuhen und Stöcken starten wir hoch motiviert am Vršičpass los. Schon kurz nach dem Start merken wir: slowenische Klettersteige sind ein bisschen anders als die, die wir in Österreich gewohnt sind. Ohne ersichtlichen Grund hört nämlich genau an einem Felsspalt die Sicherung auf, man muss sich komplett aushängen, über den Spalt steigen und danach wieder einhängen. Das passiert nicht ohne mulmiges Gefühl. Wir beschließen aber trotzdem weiterzugehen und hoffen, dass es nicht schlimmer wird. Naja..der Weg ist zeitweise recht abenteuerlich und auch das letzte Stück – durch das Prisojnik Fenster ist noch einmal ganz speziell. Wir krabbeln auf allen Vieren durch den Schutt bergauf. Ich mache mir bei jedem Höhenmeter mehr Sorgen, ob ich das Runtergehen auf eigenen Kräften noch schaffe. Dann sind wir endlich oben, doch die Freude hält nicht lange, denn das Runtergehen ist bekanntlich ja noch viel anstrengender. Ich steige auf einen wackeligen Felsbrocken, er rutscht ab und mir genau auf den Knöchel…dieser blutet und brennt jetzt natürlich sofort und meine Motivation sinkt in den Keller. Ich kann’s gar nicht erwarten wieder im Flacheren zu sein. Eine gefühlte Ewigkeit später sind wir wieder am Ausgangspunkt und haben trotzdem „nur“ 800hm und 6,8km hinter uns gebracht. Wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich die Tour wahrscheinlich nicht gemacht, aber dann wär ich auch um ein Abenteuer ärmer.

 

 

 

Jetzt sind’s offiziell 5 Monate, seit mein Kreuzband und ich fix zam sind. Fast romantisch. Ich habe mit ihm gemeinsam schon über 9.200 Höhenmeter hinter mich gebracht, kann schon wieder halbwegs gut laufen, wandern und sogar Klettersteige gehen. Ich muss sagen, ich bin ganz zufrieden!

 


5 Monate fix zam!

 

Tag 151 &152

Die gestrige Tour ging nicht spurlos vorüber…ich bin vermuskelkatert, und zwar heftig. Mein Knie zickt auch ein bisschen herum, deshalb wird heut nur gechillt. Am nächsten Tag gönne ich mir wieder mal eine Massage.

 

Tag 153

Back to the wall. Am Abend gehe ich mit zwei Freundinnen in die Kletterhalle. Ich mache nur Toprope Routen – die schwerste die ich probiere ist 5c..die schaff ich aber wegen einem hohen linken Tritt nicht. Ich merke, dass 5b gut schaffbar ist, alles darüber hinaus ist noch etwas zu schwer für mich, vor allem wenn es um schwierige Tritte geht, und man gleichzeitig keine guten Griffe zum anhalten hat.

 

Tag 156

Another weekend, another via ferrata. Wir sind bei der Beisteiner-Mauer und gehen einen C-Klettersteig mit ca. 165hm. Der ist echt super angelegt (viel besser als der slowenische letzet Woche) und hat auch ein schönes Aussichts-Platzerl. Mit dem Knie ist alles super, es gibt auch keine komischen hohen Tritte mit links.

 

Tag 157

Heut war ein bisschen ein fauler Tag. Waren bei Freunden grillen und haben ganz viel gegessen. Am Nachmittag haben wir Formel 1 geschaut und ich bin vor lauter Spannung eingeschlafen 😬 Am Abend will ich mich deshalb noch etwas auspowern und laufe einfach mal so 8km mit einem Schnitt von 7.02 min/km, BÄM. Das Knie tut mir halt schon während dem Laufen und auch danach weh. Und am nächsten Tag hab ich einen meeega Muskelkater.

Tag 160

Ich geh heute schon früher vom Büro heim, weil wir noch einen After-work-Klettersteig auf den Hochlantsch machen wollen. Auch hier sind wir Wiederholungstäter. Dieser Steig war einer der ersten Steige, welchen wir in unserer Klettersteigkarriere gegangen sind. Und am Hochlantsch war ich ja vor gut 2 Monaten schon, damals halt noch über den Wanderweg. Ich fühl mich ganz gut, der Klettersteig ist C/D und gut machbar, auch das Runtergehen ist kein Problem. Ich fühl mich im Vergleich zum letzten Mal am Hochlantsch viel stärker und fitter. Wahnsinn, wieviel sich innerhalb von so kurzer Zeit verändert. Beim Runtergehen treffen wir sogar noch einen Steinbock beim Abendessen, ich liebe solche nahen Begegnungen mit Wildtieren. Mit der Tour heute habe ich endlich die 10.000 Höhenmeter seit der OP geknackt!

 

Tag 163

Ich gehe heute mit einer Freundin laufen, die normalerweise 20km am Stück laufen geht…ich bin ein bisschen nervös, ob ich da wohl mithalten kann. Sie passt sich aber meinem Tempo an und wir laufen 8km. Die letzten 3km im strömenden Regen, yay!  😁  Mir tut schon wieder während dem Laufen das Knie weh, danach ist es noch schlimmer. Stiegen steigen ist gefühlt auf einmal wieder auf dem Level von vor 4 Monaten, ich humple nur durch die Gegend. Hmpf..  Einmal drüber schlafen bringt’s aber anscheinend in diesem Fall, weil am nächsten Tag spür ich davon nicht mehr viel.

 

Tag 167

Ich hab heute Physio und es wird meine Kraft im Vergleich vom linken und rechten Bein anhand des Beinstreckers und Beinbeugers gemessen. Die Ergebnisse sind ernüchternd!

Beinbeuger: Rechts: 73; Links: 50,5 -> 64% der Kraft vom rechten Bein
Beinstrecker: Rechts 57; Links: 30 -> 53% der Kraft vom rechten Bein

Fazit: Ich muss mehr Krafttraining machen um gezielt meine Muskeln aufzutrainieren.

 

Tag 172 – 178

Ich nehm mir das mit dem Krafttraining zu Herzen und geh diese Woche 2x ins Fitnessstudio. Außerdem gehe ich 4km laufen mit einem Schnitt von 6:48 min..habe aber schon während dem Laufen Schmerzen und danach auch. Die Woche ist sehr aktiv, denn wir machen auch noch eine Nachtwanderung auf den Schöckl und zwei kürzere Klettersteige (C/D).

 

Tag 181

Ich bin heute wieder mal klettern und schaffe 5c+ im Nachstieg und probiere auch seit Eeeewigkeiten wieder mal einen Vorstieg (2x 5a)- was für ein Gefühl!

 

 


6 Monate seit der OP!

 

Tag 183-185

Wir haben beschlossen, einen der längsten Klettersteige in Österreich zu machen: den großen Priel.
Insgesamt (mit Zu- und Abstieg) dauert die Tour ca. 11:30 Std. und kommt auf 2100hm. Wir beschließen daher, die Tour auf drei Etappen aufzuteilen, weil das sonst fürs Knie einfach zu heftig wird- vor allem mit dem Abstieg.
Am ersten Tag steigen wir von Hinterstoder zum Prielschutzhaus auf (900hm), am 2. Tag machen wir den Klettersteig (D) und steigen dann wieder zum Prielschutzhaus ab, um eine zweite Nacht dort zu verbringen. Am dritten Tag geht’s dann nur mehr „gemütlich“ von der Hütte ins Tal. Ich bin vor der Tour sehr nervös. Schafft das mein Knie oder streikt es bei der Hälfte? Bin ich schon stark genug? Sollte ich noch länger warten, bevor ich so eine Tour starte? Mein Freund bestärkt mich aber mit positiven Gedanken und stärkt so auch mein Selbstbewusstsein. Ja, ich kann das schaffen! Als ich die zweite Tagesetappe trotz vieler kleiner Pausen geschafft habe, werden mir beim Erreichen der Hütte die Augen fast ein bisschen feucht. So ein großer Meilenstein! Ich fühl mich ein bisschen unbesiegbar nach der Tour, ab jetzt ist alles möglich!

 

 

Mit dieser Tour habe ich jetzt schon 13.560hm seit meiner OP erreicht und fühle mich wirklich gut. Ich kann wieder so viel machen, obwohl es kraftmäßig sicher noch an einigem fehlt.

 

Tag 208

Die letzten Tage waren ganz schön stressig! Ich musste einen Corona-Test machen und 4 Tage aufs Ergebnis warten. Eigentlich wollten wir nach Schottland auf Urlaub fliegen für 10 Tage, einen Tag vor dem Abflug wurde Österreich aber auf die Liste der Länder gesetzt, die nach Ankunft 14 Tage in Quarantäne müssten. Daher wird dieser Trip gecancelled und wir fahren spontan Richtung Tirol.
1. Stop: Kitzlochklamm-Klettersteig (D). Der geht schon ganz schön rein und bei einem Tritt muss ich voll auf den linken Fuß belasten und es brennt auf einmal ganz komisch in meiner äußeren Kniekehle. Generell geht mir der Steig an die Substanz, die Tiroler Klettersteige haben anscheinend ein bisschen andere Schwierigkeitsgrade, als wir das sonst so gewöhnt sind.

 

Tag 209

Heute starten wir beim Schlegeisstausee im Zillertal und wandern zur Olpererhütte – ca. 10,7km mit 750 Höhenmetern. Beim Runtergehen sind wir heute recht flott, nicht so vorsichtig wie sonst. Nach der Tour tut mir mein Knie wieder in der Kniekehle weh und sticht vorne an der Kniescheibe ganz schön heftig.

 

 

Tag 210

Etwas nervös fahren wir heute weiter über die Schweizer Grenze. Werden wir wohl rein dürfen wegen den ganzen Corona-Maßnahmen? Aber es geht alles glatt und kurz nach der Grenze sind wir auch schon am Ziel angelangt: Wasserauen im Appenzellerland. Die heutige Tour ist meine längste Wanderung an einem Stück seit der OP: 11km und 1100hm bergauf & bergab! Eigentlich war geplant, die Tour nur bergauf zu gehen und dann mit der Gondel runter zu fahren. Aber wie immer haben wir uns ein wenig verlaufen und sind statt auf den Weg zur Gondel auf den Weg ins Tal abgebogen..den ganzen Weg zur Gondel wieder hoch zu gehen kam für uns dann auch nicht in Frage daher ging es die gesamte Tour auch wieder bergab. Schweisstreibend aber unglaublich happy, das alles geschafft zu haben! Weiteres Highlight war für mich am Gipfel, dass sich zum 1. Mal meine Lieblingsvögel, die Bergdohlen, auf meine Hand gesetzt haben.

 

Am Gipfel des Schäfler

 

 


7 Monate ist mein Kreuzband jetzt schon alt!

 

Tag 213

Mittlerweile sind wir am Gardasee angelangt und machen dort eine kleine Wanderung auf den Monte Cas. Danach führt unser Roadtrip weiter in die Dolomiten und wir entspannen am Abend in der Sauna & im Whirlpool. In der Sauna beginnt mein Knie wieder weh zu tun und ich werde mittlerweile etwas unentspannt. Hab ich durch die letzten Touren irgendetwas kaputt gemacht? Es fühlt sich jedenfalls so an…

 

Tag 214

Heute geht es zur Abwechslung mit der Gondel auf den Berg, ich will nichts mehr riskieren. Außerdem ist heute mein 30. Geburtstag. Irgendwie fühl ich mich alt wenn ich den Berg nicht komplett selbst hochsteige sondern mit den Pensionisten in der Gondel sitze…aber ok. Mein Knie gibt wieder mal den Ton an und der ist gerade recht deutlich: mach langsamer! Die heutige Tour auf die Seceda ist „nur“ 9,5km mit 480hm. Am Abend habe ich mein „Geburtstagsdinner“, zwischendurch telefoniere ich zur Feier des Tages mit meinem Physiotherapeuten. Ist das Knie geschwollen? Nein. Ist es irgendwie blau oder rot angelaufen? Nein. Fühl ich mich instabil? Nope. Wahrscheinlich überlastet. Ja, wahrscheinlich. Ich bin ein bisschen erleichtert und genieße den Rest des Abends.

 

Tag 215

Ein neuer Tag, ein neuer Gipfel. Mit der Gondel geht es auf die Seiser Alm. Dort machen wir einen eher gemütlichen Almspaziergang mit 13km und 350hm, danach tut mein Knie nur ein bisschen weh. Sollte sich also wieder einpendeln, oder?

 

Tag 216

Heute ist der letzte Urlaubstag und nach ein paar Early-Morning-Touri-Fotos am Pragser Wildsee geht es Richtung heimwärts. Um den Tag noch gut auszunützen, beschließen wir trotz nicht ganz perfektem Wetter einen kleinen Klettersteig zu machen. Auf der Turracher Höhe starten wir mit dem Murmeltier-Klettersteig (B/C) und haben tatsächlich 2 Murmeltier-Sichtungen. Abgesehen davon ist der Klettersteig heute eher nicht so meins. Alles ist gatschig, nass und rutschig. Ich bin sehr angespannt und nervös bei den kleinsten Tritten, will nichts riskieren. Beim Abstieg tut mein Knie wieder ein bisschen weh.

 

Tag 219-223

Mein Knie fühlt sich einfach komisch an… ich mache mir einen Kontroll-Termin bei meinem Orthopäden aus. Ich habe Schmerzen beim Radfahren, was ich schon lange nicht mehr hatte. Ich gehe ins Fitnesststudio, danach ist das Knie ein bisschen weniger steif. Ich gehe zu meinem Physio, der bearbeitet mein Knie eine ganze Weile. Sein Fazit: Mein Hamstring ist wahrscheinlich überlastet durch die vielen Aktivitäten in letzer Zeit. Ich sollte mehr Muskeln aufbauen. Nach der Physio bin ich komplett schmerzfrei. Endlich!

 

Tag 224 & 225

Da mein Knie seit der gestrigen Physio-Einheit gar nicht mehr weh tut, finde ich den Termin beim Orthopäden doch nicht mehr so sinnvoll.

Ich habe Angst, dass ich wie ein Hypochonder wirke, der sich in jeden kleinen Schmerz hineinsteigert und die Schmerzen dadurch an Bedeutung gewinnen und immer stärker werden.

Ich rufe also bei meinem Arzt an und sage ab. Keine halbe Stunde später bereue ich es zutiefst, denn das Knie tut plötzlich wieder weh. Das gibt es ja nicht!! Ich bin bald am verzweifeln. Ich probiere am Abend seit langem mal wieder gemütlich joggen zu gehen, habe aber schon währenddessen stechende Schmerzen, danach noch mehr als vorher. Das war nix. Am nächsten Tag rufe ich kleinlaut doch wieder meinen Orthopäden an und vereinbare einen Termin für die nächste Woche. Diese Ungewissheit macht mich wahnsinnig. Was hab ich gemacht, dass es auf einmal so bergab geht? Ich habe nie zu viel riskiert und war trotz meiner Outdoor-Abenteuer immer vorsichtig.

 

Tag 230

Endlich habe ich meinen Termin beim Orthopäden. Kreuzband ist stabil, schon mal was. Aber der Meniskus könnte es sein.. Er verordnet mir ein MRT um Gewissheit zu haben. Am Abend habe ich wieder Physio. Eigentlich wollten wir hier heute mal ein Power-Workout machen, damit ich lerne an meine Grenzen zu gehen, um den Muskelaufbau stärker voranzutreiben. Auch das Sprungtraining wollte ich wieder vermehrt aufgreifen, weil ich hier noch massive Angst habe, einbeinig auf dem linken Bein zu landen. Aber aus dem wird natürlich nichts, wir machen ganz sanfte mobilisierende Übungen.

 

Tag 232-238

Die letzten Tage war ich seeeehr vorsichtig. Nur ein bisschen Rad fahren und kleinere Spaziergänge. Bei einem etwas steileren Weg zu einer Ruine spüre ich das Knie sofort wieder beim Bergabgehen. Es ist wirklich zum Verrücktwerden. Meine ganze Aufmerksamkeit scheint nur mehr auf mein linkes Knie fixiert zu sein. Sobald da irgendetwas zwickt oder sticht denk ich mir: Scheisse! Bestimmt alles im Arsch.. Diese Angst wieder etwas kaputt gemacht zu haben bringt mich um den Verstand und bestimmt mein Denken. Für Außenstehende scheint das banal zu klingen, aber ich glaube, jeder der mal in so einer Situation war kann das irgendwie nachvollziehen. Dann habe ich endlich mein MRT. Ich frage die Radiologin ob sie mir gleich sagen kann, wenn etwas mit dem Knie nicht stimmt? Nein, darf sie nicht. Sie hat Schweigepflicht und erst der Arzt kann mir sagen was los ist. Super, also noch eine Woche warten. Ich bin nervlich schon ziemlich am Ende.

 

Tag 241

Meinem Knie gehts seit dem MRT wieder ein bisschen besser. Ich hab mich geschont und das scheint seine Wirkung zu zeigen. Mein Freund und ich wollen deshalb eine kleine Wanderung am Schneeberg machen. Mit der Zahnradbahn geht es hinauf und wir machen eine kleine Gipfelwanderung mit 330hm. Dem Knie geht’s super, ich bin entspannt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich in die Schmerzen vielleicht ein bisschen zu sehr hineingesteigert habe und ich diese mit etwas Schonung und Muskelaufbau wieder in den Griff bekommen kann.

Ich habe mit der heutigen Tour nach gut 7 Monaten 19.118 Höhenmeter mit meinem neuen Kreuzband bezwungen! Ich finde das gar nicht so schlecht, ist aber noch ausbaufähig.

 

 

Tag 243

Eigentlich hatte ich von meinem Freund zum Geburtstag einen Tauchkurs am Weissensee geschenkt bekommen, der sollte in zwei Tagen losgehen. Ich bin aber 1. noch nicht mit meinem Theoriekurs fertig geworden und 2. ist es extrem kalt angesagt. Ich habe keine Lust komplett krank nach dem Tauchkurs heimzukommen und deshalb buchen wir ziemlich spontan ein Weekend-Getaway nach Griechenland, Zakynthos. Der Flug ist günstig, das Wetter dort gut und Österreich darf ohne Probleme ein- und ausreisen. Die Vorfreude steigt. Mittlerweile bin ich mir zu 99% sicher, dass mein Knie nichts hat und alles super wird.

 


 

➪ Hier gehts zum 2. Teil der Story!

 


 

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