Marokko ist wahnsinnig vielseitig. Von den Königsstädten im Norden, der stürmischen Atlantikküste im Westen, schneebedeckten Bergpässen im Landesinneren und den unendlichen Weiten der Sanddünen im Osten, da ist alles dabei. In meinem letzten Blogpost habe ich von meinen Erfahrungen im Surfcamp Surf Maroc berichtet, in diesem möchte ich euch die Eindrücke meines einwöchigen Roadtrips von der Atlantikküste durch das Atlasgebirge zur Erg Chebbi Wüste bis nach Marrakesch zeigen.


Hit the road!

Ganz am Anfang stand die Frage: Roadtrip unbedingt, aber wie? Wir waren zu zweit unterwegs und zur Auswahl standen entweder selbst ein Auto zu mieten, Öffis zu nehmen oder einen privaten Fahrer zu engagieren. Das mit dem privaten Fahrer klang am Anfang etwas abgehoben, brauchen wir doch nicht, man mietet sich doch sonst auch immer ein Auto. Dann kamen aber ein paar kleine Zweifel auf, ob es überall sicher ist selbst zu fahren, ob man sich wohl zurecht findet und ob es in den Wüstengegenden überhaupt Busse gab. Wir fanden zahlreiche Agenturen, die für einen Spotpreis eine private 3 oder 4-tägige Tour durchs Land anboten. Unsere Wahl fiel auf Authentic Sahara Tours, da sie auf uns sehr seriös wirkten und super Referenzen hatten. Der Preis stimmte und sie versprachen alles zu organisieren, vom Pick-up an einem Wunschort bis zum klimatisierten SUV, den Nächtigungen in Hotels und den Eintritten zu diversen Aktivitäten. Wir buchten also und ein paar Tage später trafen wir auf Ali, unseren Fahrer und Weggefährten für die nächsten 4 Tage. Er holte uns aus Agadir ab und entführte uns zu den sehenswertesten Punkten im Süden von Marokko.


Auf den Spuren von Khaleesi in Ait Ben Haddou

Game of Thrones, wer kennt es nicht? Selbst wenn man es noch immer nicht gesehen hat, kommt man an einigen Hardfacts nicht vorbei. Einer davon wäre: Auch Daenerys Targaryen war schon da, und zwar als sie die Sklaven in Yunkai befreit hat. Interessiert euch nicht? Auch nicht so tragisch, denn Ben Haddou ist auch für Nicht-Fans ein echtes Highlight und ganz nebenbei ein UNESCO Weltkulturerbe.

Die befestigte Stadt (Ksar) aus dem 11. Jahrhundert liegt auf einem kleinen Berg, und überblickt das gesamte Tal. Die aus Lehm und Stroh gebauten Kasbahs bewohnten früher reiche Großfamilien. Wenn der Regen den Verputz herunterwusch, wurde nach einiger Zeit eine neue Schicht hinzugefügt. Der Anstieg zum Agadir (Getreidespeicher) am höchsten Punkt der Stadt ist bei über 40° gar nicht mal so schweißfrei, aber auf jeden Fall die Mühe wert. Von dort oben habt ihr einen Überblick über das gesamte Tal und das ausgetrocknete Flussbett. Im Ort selbst ist es nichts ungewöhnliches, wenn Filmcrews und verkleidete Gladiatoren durch die Straßen stürmen. Neben Game of Thrones wurden seit den 60ern gerne Filme hier gedreht, z.B. auch Prince of Persia oder Gladiator.

 


Filmmuseum in Quarzazate

Nachdem man nun schon auf das Filmthema ein wenig aufmerksam gemacht wurde ging es für uns weiter nach Quarzazate (diesen Namen spricht man übrigens ganz anders aus als er geschrieben steht, zirka „Wuarsasat“). Diese Stadt ist anscheinend die Filmhochburg in der Gegend und beherbergt neben den Atlas Filmstudios auch eine Filmmuseum, in dem man durch verschiedene Sets gehen kann, die schon diversen Filmen als Kulissen gedient haben. Das Museum war ziemlich Labyrinth-mäßig aufgebaut. Die Kulissen war teilweise wirklich zum verwechseln echt, andere Bereiche aber waren eher uninteressant gestaltet und bedürften einer besseren Erklärung. Wer ein echter Filmfan ist oder gerade in der Gegend, kann auf jeden Fall reinschauen, extra dafür herzufahren lohnt sich dann wohl doch nicht.


Schlafen unter Sternen im Riad Bouchedor

Was sich auf jeden Fall gelohnt hat war unsere Unterkunft Riad Bouchedor. Man fährt durch ziemlich karge, dürre Landschaft und auf einmal steht da dieser Riad, alles bunt, grüne Pflanzen, blauer Swimmingpool, Willkommens- Minztee und einem wunderschönen Zimmer. 

Das Essen ist ein Traum und die Leute dort alle sehr zuvorkommend, ein bisschen wie in 1001 Nacht. Nicht zuletzt weil an der Decke unseres Zimmer sternförmige Auslassungen waren, durch die wir auf den Nachthimmel schauen konnten.


Palmen, Palmen, Palmen in der Draa Valley

In Marokko wechseln sich die Landschaften, die man aus dem Autofenster sieht extrem ab. Gerade war man noch in der trockenen Einöde, befindet man sich plötzlich in einem riesigen Dattelhain wieder. Zwischendrin stehen Ruinen von alten Kasbahs, und auf der Straße laufen lachend Kinder zu uns. Hier sieht es aus, wie man sich Afrika im ersten Moment vielleicht vorstellt. Die Menschen arbeiten hart, ich sehe mehr Esel als Autos auf der Straße. Wir fallen mit unserem weißen SUV auf jeden Fall auf.


Eine Nacht im Berberzelt in der Erg Chebbi Wüste

Nach stundenlanger Fahrt durch das Antiatlas Gebirge und danach einer langen Leere kommt Merzouga. Merzouga ist der Ausgangspunkt für unsere erlebnisreiche Nacht in der Erg Chebbi Wüste. Bevor es ernst wird und wir mit den Kamelen durch die Sanddünen zu unserer Unterkunft für eine Nacht schaukeln, dürfen wir uns im Pool des Hotel Ksar Merzouga noch ein bisschen abkühlen. Unsere Koffer verstauen wir im Auto, Ali unser Fahrer bleibt die Nacht im Hotel. Zusammen mit ein paar anderen Abenteuerlustigen steigen wir auf die Kamele und die Karawane setzt sich in Bewegung Richtung Wüstencamp.

Vorsichtshalber hab ich vorher noch eine Tablette gegen Seekrankheit eingeworfen, gar nicht so unberechtigt wie sich herausstellt. Unsere Wüstenguides, lotsen die Kamele die Sanddünen bergauf und bergab, jedes Mal wenn es bergab geht habe ich das Gefühl mein Kamel versinkt komplett im Sand und kippt gleich um. Entspannt ein Selfie am Kamel machen? Fehlanzeige!

Schweißgebadet und glücklich, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben kommen wir 20 Minuten später bei den Berberzelten zwischen den Dünen an. Die Zelte sind sehr geräumig und mit echten Betten, Teppichen und elektrischen Lampen ausgestattet, Plumpsklo gibt es auch. Den restlichen Luxus sparen wir uns für diese Nacht. Die Guides schicken uns auf die große Sanddüne hinter den Zelten, um den Sonnenuntergang zu sehen – leider sieht man an diesem Tag nicht viel, es ist viel zu diesig. Der Anstieg ist ein Abenteuer, kräfte- und in unserem Fall auch nervenraubend. Smartphones solltet ihr mit einer Reißleine dreimal um euch herum wickeln sonst sind sie weg, lernt aus unserem Fehler 😉

Nichts desto trotz ist der Abend ein echtes Erlebnis, nach der Dünen-Action gibt es traditionelles marokkanisches Essen für uns und die Berber laden uns auf eine Trommelsession vor den Zelten ein. Es ist stockdunkel, eine Katze besucht uns im Camp und wir gehen schlafen, am nächsten Morgen geht es vor dem Sonnenaufgang zurück ins Hotel. Im Hotel dürfen wir erstmal den Sand von uns waschen und dann gibt es leckeres Frühstück, wir erstatten eine Verlustanzeige fürs Smartphone und weiter gehts auf unserem Roadtrip.


Durch Schluchten und Täler – Toudra Valley und Dades Gorge

Am Ende des Tages wusste ich nicht mehr ganz genau, wie die Schluchten hießen, durch die wir tagsüber gefahren sind. Aber sich die Namen zu merken war in dem Fall auch gar nicht so wichtig. Der Eindruck blieb! Einerseits die Toudra Schlucht, durch die man ein Stück weit entlang eines erfrischenden Gebirgsflusses spazieren kann, inzwischen fast senkrecht hinaufreichenden Felswänden.

Und die Dades Schlucht, die ein prächtiges Farbenspiel aus den roten Felsen und den saftig grünen Palmen liefert. Am Ende der Dades Valley fährt man eine steile Serpentinenstraße hinauf, und oben angekommen bemerkt man auf einmal, dass man über der meist fotografiertesten Straße Marokkos steht.

Der Ausblick lässt Biker jubeln. Ich juble auch, bin zwar kein Biker aber was ich da vor mir sehe ist einfach genial. Nach diesem kurzen Höhenrausch bringt uns Ali wieder ins Tal, in unsere Unterkunft für diese Nacht – das Hotel Babylon Dades. Ich schlafe so gut wie schon länger nicht mehr, kein Hundegebell wie in Taghazout, kein rufender Muezzin wie in Agadir, keine schnarchenden Zeltnachbarn wie in der Wüste – nur das Flussrauschen.


Abenteuerliche Fahrt durch das Atlasgebirge

Die letzte Etappe unseres Roadtrips führt uns durch das Atlasgebirge bis auf den Col du Tichka Pass auf 2260 Metern Höhe. Auf halber Strecke fängt es an heftig zu gewittern. Es schüttet zuerst, dann hagelt es. Und es hört lange nicht auf. Am Straßenrand liegen teilweise schon kleine Felsbrocken, da die Felswände größtenteils ungesichert sind. Ali kämpft sich tapfer die Straße weiter hinauf. Neben uns fließen Bäche hinab. Die sonst so pittoreske Strecke ist für uns leider nur aus dem Auto zu beobachten. Einmal halte ich kurz die Kamera aus dem Fenster für ein Foto, dann geht es wieder bergab auf der anderen Seite, Richtung Marrakesch.


Übernachten im Riad

Ein Must-Do, egal wo in Marokko, ist das Übernachten in einem Riad. Die Riads sind Häuser mit Fenstern zum Innenhof. Der Innenhof ist oft mit Springbrunnen, kleinen Pools oder Chillout-Bereichen bestückt.

Unser Riad hatte außerdem einen schönen Rooftop, inklusive Dachkatzen. Die Angestellten gaben uns eine selbstgezeichnete Straßenkarte, die uns sicher durch die Souks und zu anderen touristischen Sehenswürdigkeiten bringen sollte – alles klappte wunderbar.


Besuch in der Koranschule Medersa Ben Youssef

Die ehemalige Koranschule liegt in der Medina und ist ungelogen ein ziemlicher Touristenmagnet. So abgeschieden wir teilweise die Tage davor in der unendlichen Landschaft waren, so bedrängt fühlte ich mich im lebendigen Marrakesch. Es schien so, als würde jeder der nach Marrakesch reist auch die Medersa besuchen.

Solltet ihr trotzdem hin? Ich finde schon. Die Architektur der jahrhundertealten Schule ist so detailliert und farbenfroh, und trotz des Besucheransturm findet man in den verwinkelten Gängen doch noch stille Plätzchen zum Durchschnaufen.


Kakteen zählen im Jardin Majourelle

Marrakesch ist bunt! Die vielen Mosaiksteine in der Architektur, die bunten Waren in den Souks und der für mich intensivste blaue-grüne Farbtupfer: der Jardin Majourelle. Ich habe mich in diesen Ort verliebt. Er ist wie eine Oase inmitten des heißen, lauten und schnellen Marrakeschs.

Der Garten wurde 1947 von Yves Saint Laurent gekauft und gestaltet. Er wurde zu seiner Inspirationsquelle, und ich denke, er war nicht der einzige, der in diesem Garten neue Kraft schöpfte. Allles ist stimmig hier, die blauen Hauswände, die knallgelben Blumentöpfe und die stacheligen grünen Kakteen, die aus ihnen wachsen.


Durch das Souk-Labyrinth

Das genau Gegenteil zum grünen, erfrischenden Garten sind die Souks von Marrakesch, rund um den Djemma el Fna. Hier wird gehandelt und diskutiert, verglichen und gekauft. Mit Hilfe der Karte aus unserem Riad konnten wir ziemlich gut durch die Souks navigieren. Man darf sich nicht anmerken lassen, wenn man sich kurz nicht auskennt. Dann kommt nämlich sofort irgendjemand, der einem den Weg zeigen will, natürlich nicht ganz ohne dafür etwas zu verlangen. Wirklich verloren geht man in den Souks sowieso nicht, früher oder später kommt man wieder raus.

Es gibt viele tolle Dinge zu entdecken, sei es kleine Mitbringsel wie Wunderlampen oder Minztee, bunte Gewänder, Berber-Schmuck, Hennatattoos oder was einem sonst noch so gefallen könnte. Mein Tipp: einfach selbstbewusst durchgehen, nicht gleich beim ersten Stand etwas kaufen und nicht schüchtern sein beim Handeln. Die Verkäufern setzen absichtlich den Preis viel zu hoch an, weil sie von einem erwarten, dass gehandelt wird.


Ich wurde ein paar mal gefragt, wie es für mich als Frau in Marokko war, ich war teilweise nämlich auch alleine in Marrakesch unterwegs. Ich habe keine negativen Erfahrungen in irgendeiner Hinsicht gemacht und war auch nicht verschleiert unterwegs. Wenn ich alleine war, habe ich schon darauf geachtet keinen kurzen Rock zu tragen, aber auch mit dem wäre es wohl ok gewesen. Neugierige Blicke treffen einen überall in der Stadt, besonders wenn man seine Tattoos öffentlich präsentiert. Dafür habe ich von vielen fremden Männern auf der Straße Komplimente bekommen, tätowieren ist hier nämlich verboten und daher etwas besonderes. Die Leute waren sehr interessiert, jedoch nicht lästig wenn ich Ihnen sagte, dass ich kein Interesse habe. Die Berber im Atlas-Gebiet gehören zu den freundlichsten Menschen die ich je getroffen habe, alle sind extrem hilfsbereit und zuvorkommend, ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Ich kann also nur jedem der das liest zu einem Urlaub in Marokko raten, es ist ein einmaliges Erlebnis Land, Leute und ihre Traditionen kennenzulernen.