Als mir eine Freundin erzählte, dass sie für ein Auslandssemester nach Jerusalem zieht war ich zunächst überrascht. Was war mit den typischen Erasmus-Ländern wie Portugal, Spanien oder Schweden? Sie wollte unbedingt nach Israel, hatte schon einige Studenten getroffen die bereits dort waren und denen es gut gefallen hatte. Ich nahm mir vor, diese Chance zu nutzen und sie während des Semesters zu besuchen, denn Israel war mir bis dahin nie als Urlaubsziel in den Sinn gekommen. Ich durfte Israel als extrem vielseitiges Land vor allem kulturell – kennenlernen und habe einige Tipps für euch mitgebracht.


Tel Aviv Jaffa erkunden

Unser Israel-Urlaub startete in Tel Aviv. Tel Aviv ist ein bunter Mix aus neugebauten Hochhäusern, hippen Designerläden, bunten Straßencafés und alten, brüchigen Bauten. Hier begegnet jüdische und muslimische Tradition der modernen westlichen Welt und auch den Touristen. Am Strand genießen Einheimische und Urlauber die Sonne und das warme Mittelmeer, der wohl beliebteste Sport am Strand ist Beach Paddle Ball. Das Aufschlagen des Balles auf dem Schläger prägt die Geräuschkulisse des Strandes.

Jaffa ist die Altstadt von Tel Aviv und bietet sich super für einen Sonnenuntergangsspaziergang am Hafen an. Man schlendert vom Strand den Hafen entlang zum Glockenturm. Hier liegt auch die Wunschbrücke, wo alle 12 Sternzeichen abgebildet sind und man sich bei seinem eigenen der Legende nach etwas wünschen darf.

Mein absolutes Highlight in Jaffa waren die bunt dekorierten Straßenbars und Cafés. Am Abend erwacht der Stadtteil hier zum Leben und es gibt an jeder Ecke ein nettes Lokal zu entdecken. Ein ganz besonders Lokal ist zum Beispiel das Cuckoo´s Nest welches tagsüber ein Antiquitäten-Geschäft ist, und Abends in eine Bar verwandelt wird. Man findet sich in einer fantastischen Welt aus alten Uhren, Lampen, Ankern und Steuerrädern wieder. Kein Sessel gleich dem anderen und viele alte Gegenstände lassen uns über ihre Herkunft fantasieren.

Ein weiterer Teil der Stadt, der mir mit seinen süßen Läden und kleinen Bistros wirklich gut gefallen hat war Neve Tzedek. Hier lässt es sich im Café Alma gut zu Mittag Essen und danach durch die Schmuck- und Kleiderläden schlendern.


Citybikes ausleihen

Eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel in Tel Aviv ist das knallgrüne Citybike. Es gibt ein wirklich gut ausgebautes Netz an Verleihstellen im Zentrum. Man zahlt 17 Shekel (ca. 4 €) Anmeldegebühr und kann ab dann immer bis zu einer halben Stunde gratis fahren. Nach der halben Stunde werden extra Gebühren verrechnet.

Eine dieser Bike Stationen steht am Beginn der Sderot Rothschild – eine zentral gelegne Allee. Ihr könnt euch hier das Citybike ausleihen und bis zum Rabin Square damit fahren. Von dort aus bietet sich eine Rückfahrt über das Tel Aviv Museum of Art an. Praktisch ist das Bike, wenn ihr schon einen Tag in Tel Aviv wart und schon einiges zu Fuß erkundet habt. Mit dem Bike spart ihr euch die gleichen Wege noch einmal zu gehen. Ich habe in Tel Aviv nur einmal des Bus verwendet, und das war vom Flughafen ins Zentrum. Sonst kann man leicht überall zu Fuß oder mit dem Rad hin. Auch Taxis sind in Tel Aviv nicht allzu teuer, am Besten ihr macht euch vorher schon den fixen Preis aus, dann kommt es zu keinen Missverständnissen.


Vegan essen gehen

Wer gerne vegan isst, kommt in Tel Aviv auf seine Kosten. Die israelische Küche besteht aus so vielen veganen Köstlichkeiten wie z.B: Falafel, Humus, Fladenbrot, gebratenem Gemüse, verschiedenen leckeren Soßen wie Tahine (Sesamöl-Soße) und verrückten Salatkreationen, die ich so zum ersten Mal gekostet habe. In einem Restaurant kostete ich einen erfrischenden Minze Salat mit Walnüssen, Rosinen und ein paar anderen Kräutern der einen extrem intensiven Geschmack hatte und einfach nur lecker war. Wenn ihr gemütlich brunchen gehen wollt, kann ich euch das Restaurant Bana empfehlen. Hier zahlt es sich aus verschiedene Tapas gemeinsam zu bestellen und sie dann zu teilen – so kann jeder von allem probieren. Auch das minimalistische Design des Lokals fand ich sehr gemütlich und ansprechend.


Mit dem Bus reisen

Wir hatten Anfangs überlegt uns eventuell ein Auto zu mieten um damit etwas flexibler reisen zu können. Meine Freundin hat uns aber vom Busreisen in Israel überzeugt und ich muss sagen es hat sich wirklich ausgezahlt. Für nur 16 Shekel (3,70€) kann man von Tel Aviv nach Jerusalem fahren. Der Bus ist klimatisiert, verfügt über W-Lan und große Koffer kann man unten im Gepäckfach verstauen. Die Abfahrt erfolgt überpünktlich, die Busse fahren meist weg wenn sie voll sind – man sollte daher mindesten 15 Minuten vorher da sein. Die Tickets können direkt im Bus gekauft werden, es empfiehlt sich hier das Kleingeld passend dabei zu haben.


Die Diversität von Jerusalem erleben

Jerusalem ist für mich irgendwie genau das Gegenteil zu Tel Aviv. Es ist viel traditioneller – Judentum, Islam und Christentum viel stärker spürbar. Alles hat einen religiösen Touch. Die Menschen laufen mit religiösen Kopfbedeckungen und generell eher bedeckt gekleidet herum. Auch ich tausche die kurzen Kleider gegen längere Hosen. Uns begegnen viele Pilger, die die religiösen Stätten besuchen. Ich bin selbst nicht religiös und fühle mich zunächst fast ein bisschen falsch am Platz, weil für mich die Orte nicht so bedeutungsgeladen sind wie für viele andere hier. Es gibt aber dennoch einige religiöse „Must-Sees, wie zum Beispiel den Felsendom mit seiner goldenen Kuppe. Er steht am Gipfel des Tempelbergs und ist eines der islamischen Hauptheiligtümer. Nicht-Muslimen ist es nicht gestattet in den Dom zu gehen. Es empfiehlt sich schon am früheren Vormittag zum Tempelberg zu gehen, da er nicht den ganzen Tag geöffnet hat und dann auch noch nicht so viele Touristen unterwegs sind. Um den Tempelberg besuchen zu dürfen müssen Knie und Schultern bedeckt sein. Bei mir reicht es, dass ich mir meinen Schal um die Schultern lege, einige andere können sich auch bereitgestellte Hoodies und Röcke überziehen.

Gleich unter dem Tempelberg steht die berühmt Klagemauer. Hier treffen sich Juden zum Beten, Bereiche für Frauen und Männer sind streng getrennt. Rund um den Tempelberg befindet sich die Altstadt von Jerusalem. Sie ist ein Labyrinth aus engen Gassen und Märkten, wo ihr nicht nur Souvenirs sondern auch besondere Gewürze und andere kulinarische Spezialitäten ausprobieren und nach erfolgreichem Feilschen erwerben könnt. Diese Marktlandschaft erinnert mich in ihrem Aufbau und Treiben an eine ruhigere und gemäßigtere Version der marokkanischen Souks. Die Altstadt besteht aus vier religiösen Vierteln – das Muslimische, das Jüdische, das Christliche und das Armenische. Wenn man von einem ins ander geht merkt man das nicht nur an der Kleidung und am Aussehen der Menschen die dort wohnen sondern auch an den Schriftzeichen. Arabische Schrift wird zu hebräischen Schriftzeichen und dann zu der „normalen“, uns verständlichen.

Wenn man nach dem bunten Treiben etwas Abkühlung und Ruhe braucht eignet sich der Safra Square ganz gut dafür. Hier gibt es gemütliche Liegen und Sitzplätze neben einem Springbrunnen. Auf dem Platz steht ein öffentliches Klavier und man kann so manchem begnadetem Talent lauschen.


Im toten Meer baden

Das Tote Meer, welches eigentlich kein Meer sondern ein See ist, liegt östlich von Jerusalem und ist mit dem Bus in einer guten Stunde erreichbar. Der Bus Richtung Ein Gedi fährt von der Central Bus Station aus dem 3. Stock von der Plattform 4 fast stündlich los. Wir waren zunächst nicht sicher, wohin genau wir fahren sollten. Ein Gedi ist der bekannte Badeort mit Eintritt zum Strand und einer dementsprechenden Infrastruktur. Meine Freundin erzählte mir aber von einem quasi leeren Hippiestrand, wo man gratis baden kann, es aber sonst auch nichts gibt.

Wir entschieden uns für den einsamen Strand, Metzoke Dragot. Der Bus blieb dort stehen und wir stiegen als einzige aus dem vollen Bus aus. Etwas verunsichert und unter den neugierigen Augen der israelischen Soldaten, die dort einen Stützpunkt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Strand. Es war ein Weg von ca. 10 Minuten fühlte sich aber mindesten dreifach so lange an, da die Sonne herunter brannte und es einfach unglaublich heiß war. Wir suchten uns einen halbwegs schattigen Platz unter einem Baum und konnten es gar nicht mehr erwarten endlich ins kühle Nass zu hüpfen. Das Wasser des Toten Meeres hat einen Salzgehalt von ca. 30%, im Gegensatz hat das Mittelmeer nur knappe 4% – schwimmen ist technisch daher ziemlich unmöglich, da es einen sofort an die Wasseroberfläche hebt.

Es ist ein wirklich ganz einzigartiges Gefühl in dem Salzwasser zu „floaten“. Besser kann man es eigentlich nicht beschreiben. Der Boden ist angereichert mit Mineralstoffen und man kann den Schlamm als Peeling auf die Haut auftragen. Zwischen dem Schlamm stecken auch spitze Salzkristalle, hier muss man etwas aufpassen um sich keine Schnittwunden zu holen – die brennen nämlich in dem Salzwasser ziemlich. An dem Strand gab es auch kristallklare Schwefelquellen aus Süßwasser, in die wir uns nach unserem Salzwasserbad setzten. Es waren wirklich nur eine handvoll freundlicher Hippies dort, die uns sogar zum Kaffee einluden.


Sonnenuntergang auf dem Ölberg

Nach einem erlebnisreichen Tag wollten wir auch in Jerusalem einmal den Sonnenuntergang erleben. Gut eignet sich hierfür der Ölberg mit über 800m. Der Aufstieg auf den Ölberg ist hart erarbeitet denn es geht steil bergauf und das warme Klima macht die ganze Sache zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit ein Taxi zu nehmen, aber wir wollten uns den Ausblick verdienen. Von oben hat man einen super Blick auf die Altstadt und den Felsendom. Hier kann man der Hektik der Altstadt etwas entkommen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen, bevor die Sonne hinter der goldenen Kuppel des Doms untergeht.


Was sonst noch zu beachten ist

Bei der Einreise kann es schon mal zu einem verhörartigem Interview kommen. Es kommt hier anscheinend darauf an, mit welcher Fluglinie man unterwegs ist. Mein Freund und ich sind mit der israelischen Linie EL-AL geflogen und 15 Minuten lang getrennt voneinander befragt worden. Danach wurden die Antworten verglichen, nur um sicherzugehen, dass wir wirklich zusammengehören. Auch das Handgepäck wurde Stück für Stück auseinandergenommen wie ich es zuvor noch nie erlebt habe. Aus meinem Aufgabepäck fehlte nach dem Flug mein Glätteisen, dieses wurde nach der Durchsuchung anscheinend vergessen wieder hineinzugeben. Freunde von uns flogen mit Austrian Airlines, da gab es weder ein Verhör noch eine Durchsuchung. Pluspunkt für die El-AL war auf jeden Fall der gute Service an Board und das leckere vegane Essen, welches ohne Aufpreis bestellt werden konnte.

Für mich war Israel eine spannende Erfahrung. Meine Familie war etwas besorgt um meine Sicherheit aber dazu kann ich sagen, dass ich mich in Israel nie unsicher gefühlt habe. Ich war natürlich auch eher in touristischen Gebieten unterwegs und nicht dort, wo es hätte gefährlich werden können. Von religiösen Uneinigkeiten habe ich auch nichts gemerkt, es schien das Zusammenleben der Kulturen in Jerusalem für mich problemlos zu funktionieren. Während meiner Reise habe ich außerdem einige spannende Details über die jüdischen Bräuche und Sitten kennengelernt, das wäre aber noch einmal einen extra Post wert.

Ich habe die Israelis als freundliche und offene Menschen kennengelernt, die auch gerne mit Touristen zum Plaudern anfangen. Ich finde es immer super, wenn Einheimische mir Tipps geben, welche Ecken der Stadt ich mir unbedingt noch ansehen sollte.

Müsste ich mich für mein Highlight des Trips entscheiden wäre es wohl das bunte Nachtleben von Tel Aviv. Hier habe ich mich sofort wohl und irgendwie gut aufgehoben gefühlt. Wenn ich länger Zeit gehabt hätte, wäre ein Abstecher über die Grenze nach Jordanien spannend gewesen, das muss ich mir aber fürs nächste Mal aufheben.